Menu
Europa / Island 2022

Fire, Ice and Wind – Island #8

Die Westfjorde verlassen wir mit vielen schönen Eindrücken und hoffen auf Wetterbesserung. Vor allem auf weniger Wind!

24. – 30. Juni 2022

Es geht auf Nachtplatzsuche und kurz vor Hvammstangi werden wir fündig. Der „faule Eier-Gestank“ verrät uns, hier gibt es heiße Quellen, also hoffen wir auf einen Hot Pot mit Meerblick. Ja, der liegt gleich neben dem schönen Aufenthaltsraum, wir nehmen das alles gerne in Anspruch.

In Hvammastangi werden auch unsere Vorräte aufgefüllt, dann düsen wir weiter, umrunden die Halbinsel Vatnsnes, hoffen wiedereinmal vergeblich die Robbenkolonie so nah zu sehen, dass wir sie auch fotografieren können. Na dann eben nicht, immerhin haben wir uns die Füße vertreten und zum Wind „Geh, schleich di !“ gesagt, aber er versteht uns nicht. Kein Wunder, ist ja nicht isländisch.

Das Felsentor von Hvitserkur lassen wir uns nicht entgehen, ist in jedem Reiseführer abgebildet und liegt sozusagen am Weg. Stimmt so nicht ganz – es steht im Meer 🙂 Gott sei Dank kein Umweg, wir sind nämlich ein wenig enttäuscht. So klein haben wir es uns nicht vorgestellt, von oben herab sieht halt alles anders aus. Die Perspektive macht’s!

Von den Bergen lacht frischer Neuschnee, wir finden das weniger lustig, denn das heißt für uns – die Hochlandpisten bleiben noch geschlosen.

Hveravellir ist unser nächstes Ziel, wir erreichen es über einige Nebenstraßen, die uns durch herrlich grüne, fruchtbare, einsame Täler bringen.

Schon von Weitem sieht man es rauchen und dampfen. Die Solfatarenfelder im Geothermalgebiet von Hveravellir sind atemberaubend – im wahrsten Sinne des Wortes, es stinkt penetrant nach Schwefel.

Hier ist schon mächtig was los, viele Gruppen mit Zelten und auch einige Camper sind schon da. Der Wind auch. Und zwar stürmisch und eiskalt! Da kommen die stinkenden, heißen Rauschwaden genau recht, wir begnügen uns damit, denn der Hot Pot ist mit Jugendgruppen besetzt. Da gehören wir nun wirklich nicht mehr dazu.

Es zischt und qualmt und sprudelt aus allen Löchern, der Schwefelgeruch ist gewöhnungsbedürftig.

Dennoch sind wir völlig fasziniert von dem Naturschauspiel. Ganz in der Nähe liegt noch ein Geothermalgebiet, die farbenfrohe, faszinierende Vulkanwelt des Kerlingarfjöll. Die ruppige Piste F347 bringt uns bis zum Wanderparkplatz, dort packen wir Schuhe und Stöcke aus, Regenschutz brauchen wir nicht, aber Haube und Handschuhe allemal. Denn – der Wind ist auch schon da!

Zum Aufwärmen gibt es heißen Kaffe im WOKI-KAFFI – dank meiner kleinen „Nessi“ und dem Strom vom großen „Leopold“ können wir den Kaffee überall auf Knopfdruck genießen. Wenn die Waltraud dann noch guten Hefezopf (bei uns heißt er natürlich Germstrietzel!) gemacht hat, ist diese Welt mehr als in Ordnung. Mei, geht’s uns guat 🙂

It’s Coffee Time !

Einen kleinen „Ausritt“ in die Gletschwelt können wir uns nicht verkneifen. Die F336 zum Skálpanes ist zwar nicht gesperrt, aber die Piste nicht geräumt und die Schneefelder stoppen uns nach ein paar mutigen Versuchen.

Egal, hier werden die Touristen mit riesigen Hochlandbussen hergebracht, damit sie für gutes Geld mit den Skidoos ein paar Runden am Langjökullgletscher drehen können. Das Spektakel schauen wir uns an und fahren wieder hinunter.

Wer rauscht als Nächstes in unseren Fahrplan. Der Gullfoss!

Bisher der am meisten vermarktete Wasserfall, hier gibt es nicht nur viele Touristen, sondern auch ein Kaffi – das nehmen wir lieber in Anspruch – und einen Souveniershop, so kennen wir das von Salzburg.

Nachhaltig beeindruckend sind die Monsterbusse und -autos, möcht‘ nicht wissen, wieviel Kronen man in die Hand nehmen muss um hier einsteigen zu dürfen.

Solange die Pisten nicht offen sind, nützen wir die Zeit für die „Must See“!
Ja klar, ohne den Geysir Strokkur erlebt zu haben, ist Island wohl nicht komplett.

Ich marschiere schon um 6h morgens dahin und bin fast ganz alleine. Der Ausbruch kommt verlässlich alle 4 – 10 Minuten, was schon mal für Entspannung sorgt. Die Spannung steigt erst, wenn es im Mittelpunkt zu brodeln beginnt, dann steigt türkisblaue die Blase hoch, die sich dann explosionsartig entlädt. Da vergißt man dann fast zu fotografieren, so überwältigend ist das. Die Vegetation rundherum in den verschiedensten Farben ist auch beachtenswert, damit sind wir zufrieden und ziehen weiter.

Landmannerlaugar ist legendär, jedenfalls unter den Offroadern, aber das ist ja ein sehr dehnbarer Begriff. Wir möchten jedenfalls auch dahin, die Piste F225 ist schon freigegeben.

Zuvor strapaziert noch ein Hinterrad mit zuwenig Luft unsere Nerven. Wir versuchen erst mit einem Reifendichtmittel das Problem zu lösen.

Hält max.10 Kilometer! Also probieren wir es mit stopfen, das lässt uns vorerst jubeln, der Reifen kann auch am nächsten und übernächsten Tag noch seine Luft anhalten.

Daher freuen wir uns darüber dass wir hier sind, sehen den verschiedenen Fahrzeugen – bzw. den Drivern – zu, wie sie die letzten 2 relativ tiefen Furten meistern und schmieden Wanderpläne für den nächsten Tag.

Einen schönen Platz etwas abseits des Trubels finden wir auch, an die Gemütlichkeit in unserem beheizten Basecamp kommt nichts heran. Hier wird gegessen, getrunkten, geplant, geratscht, gelacht und Geschichten erzählt. Von vergangenen Abenteuern und zukünftigen…

Heute will der „bunteste Berg“ – der Brennisteinsalda (881m) erklommen werden. Er leuchtet nicht nur in der schönsten Farbenvielfalt, er hat auch einige Schneefelder übriggelassen, die es zu überqueren gilt.

Landmannalaugar wird auch das „Pfadfinderlager Islands“ genannt, sehr viele Junge (und nicht mehr ganz…) kommen mit dem Zelt hierher, entsprechend bunt ist das Bild und das Treiben auf der großen Wiese. Zudem werden unzählige Touri’s mit den Hochlandbussen hierhergekarrt, hauptsächlich Amerikaner (ja, auch die wollen einmal da gewesen sein – für uns reicht es sicherlich das eine Mal!) da stoßen die sanitären Einrichtungen bald an ihre Grenzen. Wie schön, wenn man autark ist.

Wir bleiben noch eine weitere Nacht und fahren nach dem Frühstück wieder raus, bevor die hochhaxigen Busse mit den zumeist übergewichtigen Amerikanern kommen. Sorry, das ist jetzt politisch nicht ganz korrekt, aber wir sind einfach baff erstaunt!

Von Landmannalaugar geht es auf der 208 nach Hrauneyar, und weiter südlich bis zum Einstieg in die F210 und dann auf den Laki Krater, die F206 hat gerade aufgemacht!

Ich verrate Euch nur eines, jetzt kommt das wildeste und dann das beeindruckendste Pistenabenteuer!
„Offroad-Abenteur“ darf man ja nicht sagen, denn natürlich fahren wir nicht querfeldein, sondern bleiben auf den Pisten. Aber da warten Herausforderungen auf uns, die fordern von Mensch und Technik vollen Einsatz.
Der Laki Krater versetzt uns in eine andere Welt, hier geht es um staunen, wundern und ehrfürchtig werden…
Das alles beginnt schon mit neuerlichen Reifenproblemen…

Steigt ein, es lohnt sich 🙂

Nächster Beitrag: Nicht von dieser Welt – Island #9

No Comments

    Leave a Reply