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Europa / Island 2022 NEU

Alle Wetter! Island #4

8. – 14. Juni 2022

Die jüngste europäische Insel und zugleich die größte Vulkaninsel der Welt, bereitet uns einen fulminanten Empfang. Schon die Einfahrt in den Fjord von Seyðisfjörður beeindruckt uns schwer. Die Top Einlage liefert ein Wal, der uns eine Weile begleitet, seine Fontäne und seine Schwanzflosse waren leider nicht auf Bild zu bannen, aber auf unserer internen Festplatte gut abgespeichert. Die schneebedeckten Berge machen uns klar, hier ist der Frühling gerade mal eingezogen. Die Lupinien sind jetzt in voller Blüte, was für ein schöner Kontrast!

Wie schon in Tórshavn, müssen wir rückwärts von der Fähre, sie ist gefüllt bis auf den letzten Zentimeter. Kein Problem, hier geht alles ruhig und unaufgeregt ab, ganz anders als auf den Fähren in den Süden, wo die Trillerpfeife den Ton angibt. Dafür sind wir bei den ersten, die ausschiffen dürfen, jetzt noch durch den Zoll. Die haben nur ein freundliches Winken für uns, wir winken fröhlich zurück und schon wechselt meine Gesichtsfarbe in den Normalbereich. Nicht dass jetzt jemand denkt, ich hätte zuviel Bier an Bord, nein, wo denkt ihr denn hin. Alles im grünen Bereich!

Der hübsche Ort Seyðisfjörður wirkt noch kleiner mit der riesigen Norönna im Hafen. Wir lassen die Szene auf uns wirken, das erste Frühstück in der isländischen Sonne wird uns wohl immer in Erinnerung bleiben, vor allem, weil dann der Tag auch so prächtig geendet hat.

Wir starten los, zuerst – wie die allermeisten Wohnmobilisten – in Ri. Egilsstaðir. Dort gibt es einen Supermarkt für ein paar frische Dinge und – wichtig heutzutage – eine Datenkarte für ein sorgloses „internetten“. Schließlich müssen wir uns informieren wann die Hochlandpisten geöffnet werden, und auch meine Website soll mit Bild und Text gefüttert werden.

Der erste Wasserfall auf der Strecke ist uns natürlich einen Stop wert, auch wenn er relativ klein ist, aber die Dimensionen kennen wir ja noch nicht. Wir freuen uns einfach an dem schönen Anblick.

Der Gufufoss am Weg nach Egilsstaðir

Was uns nach den Färöer Inseln hier am besten gefällt ist die Weite, der Blick schweift über’s Land, der Horizont ist weit entfernt, das haben wir auf den Färöern ganz anders erlebt und der Kontrast gefällt uns. Rund um den Lagarfljot gibt es das größte zusammenhängende Waldgebiet Islands, wir staunen. So viel Bäume haben wir hier gar nicht erwartet.

Heute nehmen wir uns gleich den drittgrößten Wasserfall Islands vor, den Hengifos. Dann wundern wir uns über die vielen Autos am P, wahrscheinlich dem Schönwetter geschuldet. Schnaufend und schwitzend geht es steil bergauf. Wir sind völlig fasziniert von der Wucht und dem Getöse der Wassermassen, die hier in die Tiefe stürzen. Ab dem ersten ViewPoint wird es ruhiger, viele steigen wieder hinunter – wir haben Zeit. Daher wandern wir noch ein Stück weiter hinauf, um an diesem Kraftplatz zu verweilen und uns zu freuen, dass wir so einen gelungenen Start unserer Islandreise haben.

Weiter geht es, die 910 bringt uns hoch hinauf bis wir in Laugarfell landen. Ein Nachtplatz mit „Hot Pot“, darauf hätten wir uns gefreut. Für uns 3 Großen hat man keinen Platz nebeneinander, jedenfalls keinen, den wir für den relativ hohen Preis akzeptieren würden.

Also fahren wir zurück zum See und versuchen auf der Ostseite unser Glück. Das gelingt. Herrlicher Nachtplatz, saubere Duschen und WC und eine Sonne, die noch bis spät Abends vom Himmel lacht.

Der Wetterumschwung kommt nicht unerwartet, wir machen uns auf in den Norden, nehmen die 917, die uns über einen Pass nach Vopnafjörður bringen soll. Auf der Passhöhe „schneebatzelt“ es, sonst kann ich darüber gar nichts schreiben. Warum? Weil wir nichts gesehen haben, manchmal nicht einmal mehr die Straße im dichten Nebel.

Unverdrossen ziehen wir nordwärts bis Þórshöfn und zweigen ab auf die Halbinsel Langanes. Das Leuchtfeuer Fontur an der östlichsten Spitze wäre unser Ziel. Für den großen Iveco ist bei einer Brücke Schluss (zu schwer) die 2 Toyotas nehmen die Schlammschlacht in Angriff. Natürlich wäre es im Sonnenschein auch schön gewesen, aber wir hatten einen Heidenspaß mit unserer ersten Offroad Tour.

Mud happens 😉

In diesem Abschnitt liegt unglaublich viel Schwemmholz herum, das scheinbar ungenützt verrottet. Es ist arktisches Treibholz aus Sibirien, das durch Stürme und Strömungen hier an der Nordküste angeschwemmt wird. Früher sicher ein wilkommenes Gut auf der baumarmen Insel, und heute?

Der Felsen Stóri-karl ist einer von den 2 Brutplätzen der Basstölpel auf Island. Trotz Nebel beeindruckend, auch beeindruckend laut – leidend ist nur die Fotoqualität, wir freuen uns, dass wir dieses Naturschauspiel erleben dürfen.

Die nördlichste Halbinsel möchten wir jetzt unter die Räder nehmen, der Himmel gewährt uns manche Blicke auf die schöne Küstenlandschaft. In Raufarhöfn bleiben wir beim „Arctic Henge“ stehen, dem größten Freiluft-Kunstwerk Islands. Die Steinbögen sind so aufgestellt, dass die Sonne an bestimmten Tagen genau von ihnen eingefangen wird. Welche Sonne ???

Bei Hraunhafnartangi sind wir schon beinahe am nördl. Wendekreis, bei Nupskatla marschieren wir über einen Damm wiederum zu einem bekannten Vogelfelsen. Ist mehr zum Füßevertreten gedacht, als zum Vögelbeobachten. Das war nämlich eher umgekehrt, denn die großen Seeschwalben verteidigen ihre Brutnester mit dem Mut einer Löwin, sie attakieren nicht nur uns, sondern auch unsere Autos.

In Kopasker finden wir auf einer Wiese unser Nachtquartier, die CP hier sind meist nur Wiesenflächen mit Duschhaus und WC, zumeist schön gelegen und völlig ausreichend. Den Luxus, den man anderswo auf CP betreibt kennt man hier nicht.

Wir beschließen nicht weiter im Norden zu bleiben, sondern uns in den Süden zu begeben, eine gute Entscheidung. Die Asbyrgi Schlucht erwandern wir bei mäßig guter Sicht aber trocken.

Ein mystisches Bild!

Der Dettifoss ist nicht nur der größte Wasserfall Islands, sondern auch von ganz Europa. Wir entscheiden uns heute für die Westseite zur Besichtigung des Wasser-Riesen. Er rauscht dramatisch und geräuschvoll in die Tiefe, hüllt alles und jeden mit seinem Nebel-Niesel-Schwaden ein. Wir werden auch ohne Regen waschelnass.

Dann ist es ja egal, ob die Sonne scheint oder nicht, nass ist nass – so trösten wir uns 😉

Der Selfoss liegt gleich dahinter, der gefällt uns eigentlich besser.

Er stürzt sich nicht einfach wild hinunter, der macht das theatralischer, inszeniert sich besser. Auch spritzt er uns nicht nass!

Nach ein paar (hundert!!) Bildern verabschieden wir uns von den Wassermassen und finden einen tollen Nachtplatz direkt bei der Abbruchkante der Asbyrgi Schlucht.
Was wir noch nicht wissen ist, dass das für viele Tage die letzen Regentropfen sein werden.

Unser Mannschaftszelt ist Goldes wert und täglich in Gebrauch

Am nächsten Tag nehmen wir die Wellblechpiste 864, bestaunen den Dettifoss von der Ostseite im Sonnenlicht, heute sind wir begeistert, er präsentiert sich hier ganz anders, wabbelt uns nicht ein mit seinen Nebelschwaden und das Beste: hier sind wir ganz alleine.
Jetzt geht es weiter in den Süden. Die Fahrt nach Möðrudalur könnte schöner nicht sein. Unglaubliche Landschaften im weichen Licht, der Herðubreið mit seinen 1.682m grüßt am Horizont, heute haben wir den ganzen Tag „happy hour“ 😉

Möðrudalur ist entzückend, der höchstgelegene, ständig bewirtschaftete Hof Islands. Natürlich touristisch vermarktet, aber die Zahl der Touristen ist jetzt leicht überschaubar.

Eine originelle Tankstelle

Heute gönnen wir uns einen Kaffe im „Fjall Kaffi“ mit zimtig schmeckenden Astarpungur.

Obwohl wir unsere Flora in besten Händen wissen, fehlt sie uns sehr. So wird einfach jedes Getier gekrault, auch der kleinen Ziege gefällt’s.

Auf der 901 geht es staubig weiter, wir kommen kaum vom Fleck, weil aus unseren Funkis ständig „Fotostop“ tönt!

In Egilstaðir schließt sich der Kreis unserer esten Runde, wir biegen wieder ab in den Süden.

Die Fahrt ist wunderschön, wir können unser Wetterglück genießen und schottern auf der 939, vorbei an unzähligen Wasserfällen, grünen Wiesen und bemoosten Berghängen bis Melshorn an der Südostküste.

Dort bereiten wir uns vor für den Süden mit seinen Highlights, hoffen auf weiterhin gutes Wetter, wenig Touristen und dass ev. schon die eine oder andere Hochlandpiste geöffnet hat.

Also, bleibt dran – wir haben noch viel vor!

1 Kommentar

  • Detlev
    20. Juni 2022 at 10:29

    Danke für‘s „Mitnehmen“, macht wieder Freude Dich zu lesen und Euch mental zu begleiten. Wir haben gerade die Bretagne verlassen und rollen gen Osten.
    Viele Grüße
    Erika & detlev

    Antworten

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