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Europa / Island 2022

Nicht von dieser Welt – Island #9

Nach dem vulkanischen Gebrodle und Gepfauche der Solfatarenfelder wollen wir wieder eine einsame, ruhige Gegend aufsuchen. Vielleicht können wir den Wind doch noch ausbremsen. Er ist ja der einzige der Ärger macht, ansonsten fühlen wir uns recht glücklich mit dem Wetter. Kaum Niederschlag und sehr oft sonnig mit dramatischen Wolkenstimmungen. Nur der Wind macht’s frisch, daher werden Haube und Daunenjacke noch nicht weggeräumt. Und eines kann ich Euch ins Stammbuch schreiben:
Island ist kein URLAUBS-Land, Island ist ein REISE-Land. Für uns das ungewöhnlichste und spannendste EVER!!!

1. – 6. Juli 2022

Nach eingehender Studie der Website road.is können wir sehen, dass es Pisten gibt die gesperrt sind (mit rot-orangem Kreis gekennzeichnet) das ist natürlich zu respektieren, geschieht ja nicht aus Jux und Tollerei. Und dann gibt es Pisten, die zwar als unpassierbar beschrieben sind, aber nicht verboten, d.h. sie sind auf eigene Gefahr befahrbar. Das reizt uns natürlich, wir wollen einmal schauen in welchem Zustand sie sind und wie weit wir kommen. Dazu wählen die F 210 aus.

Schon der Einstieg gestaltet sich zeitraubend, denn das linke Hinterhaxerl pfeift uns eins. Es verliert wieder Luft, das Reserverad muss her. Gar nicht so einfach, denn das Rad hängt unter der Kabine – ziemlich schwer zugänglich. Mit vereinten Kräften gelingt alles, es ist ja das erste Mal nach 10 Jahren, dass wir das Reserverad brauchen. Kaum zu glauben bei unseren wilden Ritten durchs Gelände!

Unterdessen wird eine Herde schöner „Isis’s“ vorbeigetrieben, das ist großes Kino für uns. Ein Reiter vorne, einer hinten und dazwischen an die 30 wunderschöne „wilde“ Isländer Pferde, da hätten meine Enkerlmäderl die wahre Freude gehabt. Und das hier ist bestimmt keine Touri-Show, hier gibt es nämlich keine – außer uns 😉

Mit 4 intakten Patscherl wagen wir uns an die F 210. Sie alleine zu befahren ist keinesfalls ratsam, und 4×4 sowieso Pflicht. Zudem haben wir alle Bergewerkzeuge dabei, dass wir sie wirklich allesamt einsetzen müssen, wissen wir noch nicht. Die ersten Kilometer sind rumpelig, aber ohne Schwierigkeiten. Einheimische Quadfahrer kommen uns entgegen und meinen: „Die Piste ist soweit ok, es gibt halt noch ein paar Schneefelder!“
Und da ist auch schon das erste. Der Große schafft es auch mit Schwung nicht ganz durch. Die Schaufeln werden hervorgeholt, es wird beratschlagt. Wollen wir weiterfahren?

Mit Lavasand und Untersetzungen schafft es der „Leopold“, dann sind wir alle 3 wieder auf leidlich guter Piste, alo fahren wir weiter. Es bleibt jetzt auch Zeit und Muße, die eindrucksvolle Gebirgs-Landschaft zu bestaunen, die sich ab und an sogar im schönen Sonnenlicht präsentiert. Das macht allerdings den Schnee schwer und gatschig.

Noch ein paar Schneefelder, dann geben wir auf, schade! Aber schließlich müssen wir auch wieder zurück und das wird nicht einfach sein. Was vorher bergab ging, geht jetzt bergauf

Kurzum, der Rückweg ist zeitintensiv, verlangt alle Bergehilfen die wir dabeihaben, d.h. Bergegurte, Hashi Ken, Seilwinde…. jeder zieht jeden, mal vor, mal zurück – der „Kleine“ zieht sogar den „Großen“ mit der Winde das ganze Schneefeld hoch. Der „Leopold“ sitzt nämlich auf der Bodenplatte am Schnee. Für die ca. 30km haben wir ca. 5 Std gebraucht – na, das war mal eine Äktschn!

Luft aufpumpen!

Nach diesem Pistenabenteuer sind wir zufrieden mit uns und unserm Equipment, geben aber die Hoffnung nicht auf, diese tolle Strecke doch noch befahren zu können. Wir haben ja noch 2 Wochen Zeit.

Rechtschaffen müde nächtigen wir einfach am P vor dem wunderschönen Seljalandsfoss. Diese Tage gibt es hier ein großes Pferdefestival, alle CP total überfüllt. Der Wasserfall ist auch ein Besuchermagnet, aber um 10h am Abend strahlt er nur mehr für uns im schönen Abendlicht und dann in der warmen Mitternachtssonne.

Die Sonne geht faktisch nicht unter, sie taucht kurz ins Meer und gleich darauf wieder auf.

Verdiente Mußestunden auf der Sonnenterrasse von einem Kaffi und große Wäsche am CP. Auch die Bergegurte werden gesäubert und getrocknet.

Unser nächster Abenteuer führt uns auf den Laki-Krater. Die F206 ist jetzt freigegeben. Das Inferno der Laki-Katastrophe um 1783 kann man erst erahnen, wenn man die Kraterreihe und die Lavafelder auf der Hochebene erblickt. Bis dahin ist es noch ein steiniger Weg auf der groben Piste. Auch 8 mehr oder weniger tiefe Furten sind zu bewältigen und Schneefeldreste zu queren.

Auf der Hochebene angekommen nehmen wir den Abzweig nach links zur F207, die uns im großen Bogen um den Krater herumführt. Wir fahren auf der tiefschwarzen LavaPiste wie auf Wolken, links und rechts bemooste Lavafelder in den unterschiedlichsten Grüntönen, wir sind ganz fasziniert.

Die Laki-Spalte gilt als nicht erloschen, man weiß nur nicht, wann sie wieder ausbricht. Vielleicht morgen schon, vielleicht erst in 500 Jahren… so lese ich das im Reiseführer und es lässt ein etwas mulmiges Gefühl in mir zurück. Dennoch, oder gerade deshalb, wähnt man sich auf einem anderen Planeten mit Gänsehauteffekt.

Obwohl der Wind wieder auffrischt, lassen wir uns zu einer kleinen Wanderung verleiten, aber nur bis zum namenlosen Kratersee beim Krater Tjarnargigar, dann suchen wir wieder Schutz in unseren Autos. Die Wanderung zum Laki-Gipfel wird ebenfalls gecancelt, macht keinen Sinn, hier ist es nicht windig, sondern mittlerweile richtig stürmisch. Da meint auch die Rangerin, wir sollten lieber wieder hinunterfahren.

Die Tour war für uns die beeindruckendste und spannendste bisher, eine Landschaft, wie von einem anderen Stern.

Unsere Freunde mit dem „Leopold“ wollen nach Norden zum WhaleWatching, wir bleiben noch etwas im Süden. Das Wetter ist sonnig und warm, am Diamond Beach stoppen wir noch einmal um das Wunder der schwimmenden Eisberge bei strahlend blauem Himmel zu sehen. Das macht schon mal ein ganz anderes Farbenspecktakel.

Die Eisdiamanten liegen so malerisch am Strand, man sich kaum sattsehen. Die Zahl der Touristen ist im Vergleich zum letzten Besuch erfreulich gering. Wir machen hier unsere Mittagsrast in der Sonne und ziehen weiter.

Ein Elefant?

Das Hafenstädtchen Djúpivogur hat nicht nur für uns einen schönen Nachtplatz, hier sehen wir auch viele Elfenhäuser, denn die Isländer sind überzeugt davon, dass man für die Trolle und Elfen ein schönes Zuhause anbieten muss, damit sie einem wohlgesonnen bleiben.

Das Wetter bleibt schön, deshalb schwenken wir nach Norden, nehmen nochmals die 939 und stoppen bei „dem schönsten Canyons Islands“Stuðlagil! Ist angeblich auch der meistbesuchte. Angeblich! Wir stellen uns drauf ein, aber alles ist überschaubar. Das mit dem schönsten Canyon können wir bestätigen, allerdings haben wir hier (fast) keinen Vergleich. Der Fjaðrárgljúfur Canyon bei Kirkjubæjarklaustur ist jedenfalls ziemlich ebenbürtig, kommt uns vor!
Die Namen, geschweige denn die Aussprache, ist jedesmal eine Herausforderung für die grauen Zellen, aber das ist wie Gehirnjogging für mich!

Gewaltige Basaltsäulen säumen diese Schlucht, wir wandern gemütlich ca. 2 Std. an der Westseite entlang, hier ist der Blick auf die sonnenbeschienene Seite am schönsten.

So gemächlich darf es weitergehen, wir nehmen die etwas holprige 907 um zum alten Torfhof Sænautasel zu gelangen.

Der Regenbogenpfeifer pfeift uns eins…

Der typische Torfhof liegt wunderschön an einem See und präsentiert sich wie ein Heimatmuseum. Freundlicher Empfang der Besitzerin Lilja, die gleich ihre Spezialität anbietet.

Wunderbaren Pfannkuchen mit selbstgemachtem Rhabarbermus und Schlagobers, natürlich auch Kaffee, der in der großen Thermoskanne serviert wird. Nimm einfach, soviel du magst 😉 Sehr sympathisch.

3 kleine Lämmer blöcken aufgeregt als wir kommen. Aber nicht wir sind der Grund für die Unruhe, nein, der junge Mann hat schon 3 Milch-Fläschen vorbereitet, um die Kleinen zu füttern. Weil er nur 2 Hände hat, darf ich dem Kleinsten das Flascherl geben. So süß! Es wurde leider von der Mutter verstoßen und wird hier großgezogen.

Die 2 größeren sind aus einem Vierlingswurf, den ein Mama Mähh alleine ja nicht durchbringen kann. Hier leben sie wie die Hofhunde, von denen es auch einen gibt. Ein wunderschöner Border Colli, der die große Sehnsucht nach unserer Flora wieder hochkommen lässt.

Was er dem Wolfgang wohl ins Ohr flüstert ?

Wie fast überall hier, werden Islandpullis angeboten, alle handgestrickt, wie uns Lilja versichert und hier glauben wir es auch (hab meinen fachfraulichen Blick auf die Innenseite geworfen). In vielen Souvenir-Läden stammen sie nämlich aus China.

Wunderschöne Muster in der typischen Rundstrickart.

Dieser Schäfchenpulli findet auch Wolfgangs Begeisterung. Man löhnt dafür zwischen 25.000 und 33.000 ISK, das sind umgerechnet zwischen € 180,- und € 235,- ! Ganz schön happig, finde ich und denke schon nach, ob ich meine Strickkünste wieder aufleben lassen soll. Nicht nur meine Isi-begeisterten Mädels würden sich freuen.

In Möðrudalur bleiben wir heute über Nacht, setzen uns in die Sonne und grüßen den fernen, mächtigen Herðubreið wie einen alten Bekannten. Er hat uns schon viel Geleit gegeben.

Kveðaja frá ísalndi

PS: Wir sind mittlerweile wohlbehalten im heißen Hallein gelandet. Unser letztes Pistenabenteuer zum Einsturzkrater Aska mit den 3 ineinander verschachtelten Calderen und dann weiter auf der F902 an den Rand des großen Gletschers Vatnajökul ins Kverkfjöll mit der Eishöhle steht noch aus, dann schließe ich unser Geschichtenbuch in das ungewöhnlichste Reiseland, das wir bisher erfahren durften.

Einsteigen, anschnallen, mitreisen!

Weiterlesen: Auf Wolke 7 – Iceland #10

3 Comments

  • maria gekle
    13. August 2022 at 15:25

    Eine ganz wunderbare Reise mit Traumlandschaften. Hab erst jetzt reingeschaut. Allerdings muß man schon eine Neigung zu Abenteuern haben. Alleine diese Reise zu machen, ist nicht empfehlenswert. Schön, wenn man Freunde hat, die, gleichen Träume haben. Wunderschöne Aufnahmen, Maria. Danke für’s Teilhaben.
    Liebe Grüße Maria

    Reply
  • sigune.dankwort
    30. Juli 2022 at 18:34

    Wir haben eure sehr erlebnisreiche Reise mit verfolgt.
    Wir haben nur eine Stipvisite von Grönland kommend auf Island gemacht.
    nun wissen wir ,was wir alles nicht gesehen haben.
    viele grüße Sigune u. Werner

    Reply
  • Micha
    22. Juli 2022 at 15:36

    Maria, das ist so ein toller Bericht von eurer Reise!
    Ich schreibe fleißig mit, damit wir das auch alles mal besuchen können.

    Liebe Grüße
    Micha

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