Weil die F26 durch die Sprengisandur noch immer geschlossen ist, machen wir eben Sightseeing. Der Myvatn (Mückenkrater!) wäre eigentlich gar nicht am Programm gestanden – hat uns ev. der Name abgeschreckt? Aber die Mücken mögen den Wind ja auch nicht und lassen uns vielleicht in Ruhe. Hoffentlich!
7. – 18. Juli 2022
Ganz in der Nähe des Mückenkraters liegt auch das weitläufige Gebiet der Solfatarenfelder Hverir. Also noch ein Grund hinzufahren. In allen Ockerschattierungen leuchtet die lehmige Erde, es dampft, qualmt, zischt und stinkt, ähnlich wie in Hvervellir, aber doch wieder anders. Sprudelnde und kochende Schlammtöpfe mit beißendem Schwefelgeruch offenbaren, wieviel befremdliche und unheimliche Aktivität im Inneren unserer Erde steckt.

Schwefelgelbes Gestein, lehmige, rote Erde, schwarze Lavafelsen – ein apokalyptisch wirkendes Schauspiel!



Auf gut ausgebauter Straße geht es hoch zur Krafla, sie führt durch das beeindruckendste Hochtemperaturgebiet Islands. Das Vulkansystem der Krafla ist bis heute aktiv. Die Erkenntnis, dass die Erde wohl ein Pulverfass ist, beunruhigt uns nicht nur hier.

Der Víti Kratersee entstand beim sogenannten „Myvatn-Feuer“ im 18. Jh., heute ist er Anziehungspunkt für alle Touristen(busse) und Ausgangspunkt für eine Rundherum-Wanderung, auf die wir aber gerne verzichten. Zu lehmig und pickig ist die Erde jetzt nach dem nächtlichen Regen.
Die Sonne scheint schon wieder, nach einem Stopp bei dem großen Geothermalwerk und einer kurzen Information über die Stromgewinnung durch die vulkanischen Dämpfe ist die Verwunderung über die Möglichkeiten, die sich der Mensch aus der Natur zu Nutze macht, groß und zweifelhaft.

Über 200 Bohrlöcher, die bis zu 2000m Tiefe reichen, liefern hier den begehrten, heißen Dampf. Das ganze Gebiet ist verrohrt und Kritiker meinen, dass man aus diesem Grund einen „provozierten Ausbruch“ nicht ausschließen kann. Stimmt nachdenklich!


Um den Myvatn herum gibt es noch mehr Besuchenswertes, z.B. einen unterirdischen warmen „Hot Pot“, in dem man aber nicht mehr baden darf bzw. kann, das Wasser hat mittlerweile an die 60°.

Grótagjá heißt die Lavahöhle mit See an der geologischen Verwerfungszone zwischen den Kontinentalplatten.

Hier kannst du also mit einem beherzten Sprung über den schmalen, aber mehrere Meter tiefen Graben kurz von Europa nach Amerika hüpfen, zumindest tektonisch gesehen.
Dimmuborgir ein verwunschenes Gebiet ganz in der Nähe mit fantasievollen und mysteriösen Lavaformationen. Hier ist das wandern herrlich, kein pickender Gatsch an den Schuhen. Wir nehmen uns die größere Runde vor und sie führt uns zur gotischen Kirchentür, zum Borgarskora Tunnel…



… und zu einer Troll-Höhle, die eigentlich 13 !!! Weihnachtsmännern gehört.

Jetzt ist sie fremdbesetzt! Der Glaube an so übersinnliche Wesen treibt manchmal etwas seltsame Blüten.
Nach so viel Naturwunderlichkeiten wollen wir ein wenig Stadtluft schnuppern und wählen dafür Akureyri aus. Ein nettes Städtchen, grad recht für einen Bummel durch die belebte Innenstadt, sie ist voller Besonderheiten, das reicht uns dann auch schon.



Wir nehmen für die Nacht den einzig offenen CP – angegeben waren 3! – in herrlicher Lage hoch über der Stadt und düsen am nächsten Tag wieder zurück zu unserem Mückenkrater.
Warum? Hier gibt es keine Mücken – und keinen Wind – und einen Stellplatz direkt am See.

Allerdings hat uns das Reifenthema wieder eingeholt, jetzt ist das rechte Hinterrad leck. In der Werkstätte diagnoistiziert man einen Riss an der Seitenflanke. Guter Rat ist teuer, wie alles hier in Island. Ein BF Goodrich in unserer Dimension ist hier nicht zu kriegen, sagt uns der Werkstättenmensch. Das heißt: wir müssen 2 neue Reifen kaufen, denn das Reserverad ist ja schon im Einsatz. Vor Montag oder Dienstag können wir nicht damit rechnen wieder mobil zu sein, natürlich passieren soche Sachen immer zum Wochenende.
Was tun? Wir telefonieren mit unseren Freunden Rudi und Josefa, sie sind noch in der Nähe und erklären sich bereit, 2 neue Reifen in Akureyri zu holen, die dort bei einem Reifenfachhändler auf Lager sind. Bis Samstag um 14h ist offen. Daher sind wir am Nachmittag schon wieder auf Achse – danke Ihr 2 Lieben für den tollen Freundschaftsdienst 🙂

Somit können wir beruhigt unser letztes Pistenabenteuer angehen, wir nehmen die F88 zur Askjá. Die Piste ist mit spitzen Lavasteinen „gepflastert“, die 2 großen Furten machen Spaß, sind ziemlich tief, und die groben Steine im Untergrund sorgen für den Adrenalinschub. Wie gut, dass wir wieder gut beschuht sind.

Die Herðubreið (ja, sie ist weiblich, hab ich erst jetzt gelesen) gibt uns auch heute Geleit, sie ist schon beinahe wie eine Schutzpatronin für uns.

Die Campingwiese in Herðubreiðarlindir ist auch Ausgangspunkt für die Besteigung der Herðubreið, die aber jetzt noch nicht möglich ist.

Wir rumpeln über weitere Lavafelder in Ri. Askjá, da setzt Nieselregen ein (ohne Wind 🙂 ) und vermiest uns den Aufstieg zum Öskjuvatn– und zum Víti–Kratersee.

Viel zuviel Schnee liegt noch am Weg zur Caldera.

Die F910 von der DrakiHütte in Ri. Westen ist noch immer gesperrt, ein Blick nach Süden sagt uns aber, hier ist das Wetter gut (trau niemals einem Wetterbericht, schon gar nicht in Island) also wagen wir uns an die Piste F902 die uns bis Sigurðarskali in Kverkfjöll bringt. Es beginnt eine Strecke, die uns förmlich beflügelt. Kilometerweit weiche Sandpassagen, man fährt wie auf Wolke 7 ! Und so fühlen wir uns auch 🙂

Wie in der Sahara, bloß die Sandfarbe ist anders!

Zwischendurch ist die Piste wieder etwas reifengefährlich spitz-steinig, führt durch faszinierende Felsformationen immer weiter bis wir die Hütte Sigurðarskali erblicken. Ca. 4 km nach der Hütte ist dann endgültig Schluss, wir stehen direkt vor der (angeblich!) größten Eishöhle Islands.

Wir sind schwer beeindruckt, die Höhle ist riesig (kann man am Foto schlecht erkennen) einsturzgefährdet und nicht mehr zu begehen. Hätten wir eh nicht vorgehabt, wir steigen noch ein wenig in der Gegend herum, staunend und fasziniert von der Gletscherzunge, die fast bis zu unserem WoKi reicht.



Weil das Wetter noch immer stabil ist, schnüren wir die Wanderschuhe und steigen auf das Virkisfell.

Der Blick von oben auf das Tal mit den Kratern und den verschiedenfarbigen Gesteinen ist der Lohn für den kurzen, aber steilen Anstieg. Dann ist es Zeit hinauszufahren, es warten wiederum über 100 km Piste auf uns.


Und was für eine!

Steinig, sandig, nass, bergauf, bergab….

Die F903 verläuft fast parallel zur F902 ist aber viel abwechslungsreicher und interessanter.


Auch 2 Furten ohne Schwierigkeiten gibt es, bis wir wieder auf die Kreppa und die F910 treffen.


Die Kreppa ist nach wie vor ein reißender Fluss, Gott sei Dank gibt es eine Brücke – furten wäre hier nicht ratsam und natürlich verboten. Schlußendlich landen wir auf der F905, die uns wiederum bis Mödruðalur bringt.
Aus den Katakomben vom WoKi zaubere ich 2 Dosen heimatliches Stiegl Bier, aber selbst Stunden nach unserem Ritt durch’s Gelände ist der begehrte Hopfentrunk immer noch sehr empört. Als ich die Dose öffnen will, krieg ich die volle Ladung ins Gesicht. Na gut, vielleicht war es einfach auch die überschäumende Freude, die wir nur allzu gut verstehen können. Für uns war das ein toller Abschluss unserer Pistenabenteuer in Island!
Die Nacht bringt den erwarteten Regen für die Natur und uns einen heftigen grippalen Infekt, daher fahren wir am nächsten Tag gleich bis Seyðisfjörður, dort treffen wir uns wieder mit unseren Freunden und warten auf die Fähre.


Nach dem Einschiffen beziehen wir unseren Stammplatz am Chaiselonge, das „happy hour“ Bier schmeckt schon wieder und so geht die Reise in fröhlicher Runde dem Ende zu. Das Meer ist a…glatt, selten so eine ruhige Fährfahrt gehabt. Danach geht es hurtig heim – wir wollen so rasch als möglich unsere Flora wiedersehen.
Sie begrüßt uns freudig, ist keineswegs beleidigt oder irritiert und übernimmt mit einer Selbstverständlichkeit wieder unseren Rhytmus, alles wie immer. Man merkt, es hat ihr an nichts gemangelt, nicht an Liebe und Zuwendung und auch nicht an Fressen 🙂
So sind wir wieder glücklich vereint, genießen unsere schöne Heimat, die Sonne und die Wärme, obwohl alles ein wenig zu gut gemeint ist.
Nach diesen intensiven 2 Monaten sind wir daheim, mit dem Kopf voll schöner Erinnerungen und Momenten die unauslöschlich in unserem Gedächtnis bleiben.
Auch wenn einige Hochlandpisten noch nicht freigegeben waren, haben wir sehr viel Spannendes und Atemberaubendes gesehen, erfahren und erlebt. Die Tatsache, dass wir alle – Menschen und Autos – wohlbehalten daheim angekommen sind (von den 2 „aufgearbeiteten“ Reifen einmal abgesehen) freut uns ganz besonders, das ist schließlich das Allerwichtigste.
Zum Schluss ein wenig Statistik:
Wir sind insgesamt etwas mehr als 10.000km gefahren,
– davon auf den Färöer Inseln ca. 500km
– auf Island etwas mehr als 6.000km
der Rest ist An- und Heimreise.
Die Infrastruktur der CP ist recht gut, meist sind es einfache Wiesen, oftmals nur Container als Sanitärblock, aber stets sauber mit Fließwasser. Ein Aufenthaltsraum mit Gemeinschaftsküche ist sehr häufig angeschlossen, wird auch gerne benutzt von den „Zeltlern“. Zu unserer Überraschung ist es auch hier zumeist recht sauber.
Die Ringstraße ist für alle Autos (auch WoMos) völlig problemlos befahrbar. Auf den Wind sollte man allerdings achten. Wir sahen Wohnmobile, die es von der Straße gewachelt hat und auch uns hat es mehrmals ziemlich versetzt. Gott sei Dank nie etwas passiert.
Das Wetter ist lt. Statistik im Juni zumeist recht stabil. Wir hatten auch kaum Niederschlag, aber der eisig kalte Wind machte uns schon arg zu schaffen (die Einheimischen versicherten, dass es der kälteste Juni seit vielen Jahren ist, und soviel Wind wäre auch nicht normal). Das war auch der Grund, warum die Hochlandpisten in diesem Jahr rund 2 Wochen später geöffnet wurden.
Kverkfjöll
Zumindest in diesem Bericht habe ich versucht, die Route einzustellen. Die Strecken von den anderen Berichten werde ich nachtragen – aber ich fürchte, das ist eine Winterarbeit und der kann ruhig noch etwas warten. Und warum das Höhenprofil nicht funktioniert, darüber denke ich dann auch im Winter nach.
Danke für’s Mitreisen, danke für Eure Rückmeldungen und einen schönen, erholsamen Sommer Euch allen nah und fern
Maria & Wolfgang & Flora

4 Comments
Rudi Schmid
4. August 2022 at 17:09Absolut Klasse! Vielen Dank für’s mitnehmen!
LG Rudi
Hansjörg Stemberger
4. August 2022 at 11:48Wie immer ein super toller Reisebericht, Man hat das Gefühl dabei zu sein.
Danke und alles Gute
Hansjörg
Peter Giovannini
3. August 2022 at 22:31Danke für eure so mitnehmend formulierten Geschichten, wir fühlten uns wieder mittendrin in Island…
Wir hoffen, euch bald mal wieder zu sehen, um über den Norden und mehr zu plaudern.
Wir kommen so um den 24. 8. aus den Pyrenäen heim – vielleicht geht da was.
Jetzt aber viele Grüße an euch drei Wiedervereinten!
Gaby & Peter
Rupert Unterwurzacher
3. August 2022 at 22:25Hallo Maria und Wolfgang,
sehr beeindruckende Landschaften und ebensolche Bilder – herzlichen Dank dafür.
LG von Rupert und Sonja