4. – 8. Juni 2025
La Belle Époque – „die schöne Epoche“, war eine Periode der französischen und europäischen Geschichte, die etwa von 1871 bis 1914 – bis zum Beginn des 1. Weltkrieges – dauerte. Sie gilt als Zeitalter von Frieden, Fortschritt und Wohlstand, geprägt von kultureller Blüte, insbesondere in Frankreich (hat mir die KI geflüstert).
Die Orte dieser Hochblüte der Kultur sind Deauville und Trouville-sur Mer. Zuvor gehen wir noch vom CP hinunter in das kleine Hafenstädtchen Yport, auch heute gefallen uns die Kreidefelsen im weichen Licht, die den Hafen so malerisch umrahmen.

In der Kirche sind vor jedem Fenster – ganz profan – verschiedene Schiffsmodelle aufgestellt und wir haben vor Ort keine Erklärung dafür gefunden. Na ja, alles wollen wir ja eh nicht wissen.
Was wir untrüglich wissen ist, dass wir Hunger haben. Ein einladendes Restaurant bietet Moules au cidre – avec créme, pommes et Cidre an! Genau das Richtige für unseren Gusto. Dazu eine Flasche Cidre brut, das ist jetzt ist unsere Belle Épouque.


Muscheln in Cidre mit Apfelstücken, wie gut ist das denn!
Die Moules werden hier überall in so einem Topf serviert – in den Deckel kommen dann die leeren Muschelschalen hinein. Ich habe so lange gesucht, bis ich ein Geschäft mit dem Moulestopf gefunden hab und gleich 2 gekauft! So stilecht wollen wir künftig auch unsere Muscheln servieren. Wolfgang grübelt schon über das Rezept…
Die Fahrt geht weiter über Le Havre, die Stadt wurde im 2. Weltkrieg fast gänzlich zerstört. Sie bietet den Besuchern trotzdem viel Atmosphäre. Uns zieht es aber jetzt ins Landesinnere, über die imposante Pont der Normandie queren wir diesmal die Seine.

Honfleur – auch ein HotSpot der „Belle Époque“ – wäre unser Ziel, die Stadt weist leider den Wohnmobilisten als einzige Parkmöglichkeit ein riesiges Gelände am Hafenbecken zu, wo man allerdings nur tageweise parken bzw. bezahlen kann. Trotz Irr- und Umwege auf der Suche nach geeigneten Parkplätzen – teils mitten durch Centre Ville – geben wir entnervt auf. Was lernt der eigentlich erfahrene Wohnmobilist daraus? Centre Ville bitte meiden! Oder auf die Navigatorin hören – das ginge natürlich auch 😉
Ganz anders ein paar Kilometer weiter in Deauville – jede Menge Parkplätze. Nur der Fluss Toques trennt die beiden mondänen Badeorte Trouville-sur-mer und Deauville, die wir heute noch besuchen möchten.

Vom Treffpunkt der Reichen und Schönen bekommen wir hier nicht viel mit, alles ist noch ein wenig im Winterschlaf. In der berühmten Markthalle wird schon aufgeräumt, viele Nobelhotels sind noch geschlossen, der Strand fast menschenleer.




Es gibt eine kleine Personenfähre über den Fluss hinüber nach Deauville, auch die ist heute leider nicht in Betrieb. Der Fußmarsch bis zur Brücke ist uns zu weit, daher fahren wir weiter – Deauville werden wir später noch besuchen. Wenn dann das Wetter sonnig ist, wirkt bestimmt alles viel ansprechender und belebter.
Ein schöner NP bei einem Apfelbauern ist sowie verlockender, mitten im Pay d’Auge – das ist die Heimat der großen 3 C: Cidre, Calvados und Camembert – da fahren wir jetzt hin.

Wir stehen wiederum in einer Apfelplantage, diesmal von der Mosterei „Domaine du Lieu Chéri“
Das Haus wurde 1550 erstmals erwähnt und ist ein Paradebeispiel der charakteristischen Fachwerk-Bauweise dieser Gegend. Hier wird gewohnt, gearbeitet, produziert und verkauft.


Der SP ist gratis, es versteht sich aber von selbst, dass man ein paar von den köstlichen Produkten auch kauft. Noch dazu wenn hier bester Cidre produziert wird.
Das „Château de Saint-Germain-de-Livet“ ist auch ein lohnenswertes Ziel, zumal es ganz in der Nähe ist.

Es ist ein Wasserschloss mit einer sehr interessanten Fassade aus glasierten Ziegel- und Natursteinen aus dem 16. Jh. und dem Herrenhaus in Fachwerkbauweise aus dem 15. Jh.

Wir bekommen eine sehr detailreiche Führung auf französisch, gut dass Lisa uns die interessante Geschichte übersetzt.


Perfekt zum Ambiente passen die 3 Pfaue, sie verleihen dem Garten etwas exotisches und präsentieren stolz ihr prächtiges Gefieder.
Camembert ist wohl ein Muss für Käseliebhaber, das winzig kleine Dorf wurde durch Marie Harel weltweit bekannt, sie soll hier Ende des 18. Jh. den Weichkäse mit Weltruhm erfunden haben.
Videos und Bilder veranschaulichen die Produktion, anschließend kann man verkosten und natürlich kaufen.



Der hier hergestellt Käse stammt ausschliesslich von einer bestimmten, braun gefleckten Rinderrasse mit den dunkelbraunen Augenringen, den „vache à lunettes“, also Brillenkühen. Ihre Milch hat einen höheren Fettgehalt.
Flora bekommt als Belohnung für die lange Wartezeit eine nicht ganz originale Camembert-Kuh – weil ohne Brille – schließlich ist Flora ein „chien à lunettes“ 😉

Der Regen hat sich festgesetzt in der Region, wir steuern noch Argentan an, am schön beschriebenen CP wollen wir den Regentag aussitzen.
Der CP ist tatsächlich eine Empfehlung, sehr idyllisch an einem See mit schöner Parkanlage gelegen, und das um € 12,50! Nur der heftige Regen hat diese Idylle gestört. Susanne und Ueli treffen wir zufällig, auch sie checken am selben CP ein. Wir lassen uns die Laune nicht verderben, sitzen noch gemütlich mit unseren 4 schweizer Freunden im Woki beisammen (ja, auch zu sechst geht das!) und besprechen die Weiterreise. Da tropft es aus unserer Dachluke. Du liebe Güte, wie kriegen wir jetzt unser Fenster dicht? Zumindest provisorisch?
Der Regen hört gottseidank bald auf, wir gehen am Morgen in die Stadt, weil heute vor der mächtigen Église St-German großer Markt ist.

Am Fischstand sind wir wiedereinmal baff was hier angeboten wird, natürlich wird eingekauft: terrine de poisson, filet d’espadon, crevettes….ja, die Fr. Google leistet mir dabei gute Dienste. Nicht dass ich am Ende unwissend eine Terrine mit Gänsestopfleber kaufe.



Endlich komme ich auch in den Genuss von Galettes, eine Art von Crepes, aber aus Buchweizenmehl, raffiniert gefüllt mit verschiedensten Zutaten, kann süß und sauer gegessen werden. Ich entscheide mich für „Galettes complète“ – eine gute Wahl.
Wir beschließen spontan auch Les Jardins du Pays d’Auge zu besuchen. Diese Gärten haben es uns angetan, um diese Jahreszeit grünt und blüht alles in voller Pracht.




Der Garten ist ein Wunderwerk rund um einen alten Bauernhof aus dem 17 Jh.
Ein Sonnen- und ein Mondgarten, das Labyrinth, Garten der Düfte, Garten der Engel, Garten des Teufels… Sträucher und Bäume, die ich nie zuvor gesehen habe und deren Namen ich gar nie gehört bzw. gelesen habe. Es ist eine Oase der Ruhe, der Düfte und der Inspiration.
Wir fahren wieder Richtung Küste. Beauvron wird auch als eines der schönsten Dörfer beschrieben. Die typisch normannischen Fachwerkbauten, in einer Harmonie auf dem kleinen Dorfplatz und überall üppig blühende Blumen – das ist eine Augenweide.



In Merville-Franceville, am östl. Ende vom Gold Beach schlagen wir für die nächsten 3 Tage unsere Zelte auf. Wegen dem Pfingstfest und den vielen Veranstaltungen zum D-Day haben wir die Plätze vorsichtshalber reserviert. Die Dachluke wird noch im Trockenen repariert, die Regenfront schickt zwar kaum Regen, dafür schneidigen Wind.


Am endlosen Sandstrand sind bei Ebbe viele Einheimische unterwegs zur Muschelsuche, ausgestattet mit Kübel und Rechen. Da machen wir gleich mit, finden tatsächlich auch einige Muscheln, die wir aber schlußendlich herschenken, denn es reicht nicht für eine Mahlzeit für uns.
Blöderweise haben wir dann den Pfingstsonntag für einen Ausflug nach Deauville ausgesucht, wir dachten, dass am Vormittag noch nicht viel los ist.

Weit gefehlt! Bis wir einen P finden ist es schon fast Mittag, wir starten gleich zum berühmten Sandstrand von Deuville mit den planches, den Planken aus tropischen Hölzern, wo bei den Umkleidekabinen am Strand die Stars verewigt wurden, die Deauville beehrt haben. Und das waren offenbar viele. Ob sie tatsächlich alle hier waren wagen wir zu bezweifeln, zumindest hat Coco Chanel nachweislich hier bereits 1913 einen Laden eröffnet und bestimmt auch gebadet.
Nach den obligaten Fotos nehmen wir heute die Fähre, für € 1,80 schippern sie dich hinüber nach Trouville-sur-Mer. Der Hund ist gar kein Thema.
Jetzt wollen wir in der Markthalle Meeresfrüchte degustieren, Austern schlürfen….aber hier steppt der Bär! Vor der Markthalle bilden sich lange Schlangen die auf einen Platz warten. Das tun wir uns nicht an, denn es ist heiß. Auch in der angrenzenden „Freßmeile“ können wir keinen Platz ergattern, so sehen wir dem Trubel noch eine Weile erstaunt bis amüsiert zu. Was hier an Ess- und Trinkbarem geboten wird haben wir noch nie gesehen. Manches wäre eine glatte Überforderung von unserem Gaumen gewesen.

So kehren wir zurück zu unserem CP in Merville-Franceville, auch Lisa und Elmar kommen von ihrer Tour zum Utah Beach zurück und Wolfgang verwöhnt uns alle mit ThunfischSpaghetti.
Wir meinen, dass sich jetzt unsere Wege trennen werden, weil wir am schnellsten Weg zum Mont-Saint-Michel wollen – für den Fall, dass wir unsere Reise doch vorzeitig beenden müssen. Unserer Freunde wollen die Halbinsel Cotentin umrunden.

Das nächste Highlight ist also die Klosterinsel, wir freuen uns wenn ihr mit uns weiterreist.
Weiterlesen: #5 Eine Insel. Ein Berg. Ein Kloster
PS: wir sind natürlich schon zuhause, mit dem Hochladen der Fotos hat es nicht geklappt, daher die „Verspätung“.
Unser Overlandertreffen liegt auch schon hinter uns, es war ein tolles Wochenende mit vielen netten Begegnungen, mit neuen Freunden die spontan zu uns gekommen sind, die WoKi-Family ist wieder gewachsen 😉
Der Beitrag ist in progress, es wird noch dauern bis ich alle Fotos gesichtet habe. Aber ich verrate gleich den Termin für das
4. Overlandertreffen vom 2. – 5. Juli 2026
natürlich auf „unserer Wies’n“ im Waldviertel, sie ist für uns reserviert!
Habt einen schönen Sommer!
Mit lieben Gruß aus Hallein
Maria & Wolfgang & Flora

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