9. – 15. Juni 2025
Le Mont-San-Michel ist ein Sehnsuchtsort. Für Viele! Für über 3 Mio. jährlich…
Für mich seit meiner Schulzeit, wo ich erstmals im Unterrichtsfach „Erdkunde“ die Klosterinsel auf einer großen Leinwand gesehen habe. Ja, das ist schon eine Weile her, aber nicht aus meinem Kopf verschwunden.
Obwohl Pfingstmontag ist, versuche ich im Internet noch ein Ticket für 18h zu buchen, in der Hoffnung, dass da die Touristenmassen schon weg sind. Hat geklappt!
Über Caen bis Avranches nehmen wir die A84, biegen ab auf eine „single road“ hinaus zum Pont de vue sur le San Michel und erblicken ersmals das Welterbe im Watt. Zwar noch viel zu weit weg für ein gutes Foto, beeindruckt uns die Szene doch gewaltig. Hier erkennt man erst die Dimensionen wie sich der Klosterberg aus dem riesigen Wattmeer erhebt.


Das originelle Café de la Baie serviert uns ausgezeichneten Espresso, mit Abstand den besten auf dieser Reise – da haben wir schon schlechte Erfahrungen gemacht. Der junge, symphatische Australier ist nicht nur kreativ, sondern auch ein ausgezeichneter Barista.
Wir nähern uns der Klosterinsel und mit jedem Kilometer wächst die Begeisterung.
Einer der großen P ist nur für Wohnmobile reserviert, dort kann man auch nächtigen. Schon die Anzahl der riesigen Parkflächen lässt Schlimmes ahnen. Gottlob sind sie fast leer, auch die meisten Busse sind schon weg – gutes Timing!
Wir machen uns gleich auf den Weg zum Shuttlebus, der die Besucher gratis zum Klosterberg bringt. Flora bewacht inzwischen das WoKi, sie dürfte zwar mit zum Kloster, zumindest bis zum Ticket-Einlass, aber im Shuttlebus ist Hundeverbot.
Die Touristen strömen schon wieder zurück, wie erhofft. Beinahe erhrfürchtig betreten wir durch die Porte de l’Avancée das UNESCO Weltkulturerbe und sind in einem Labyrinth aus Treppen, Gängen und Gassen.


Restaurants, Souvenirläden und Imbissstuben säumen die Grande Rue bis hinauf zur Grand Degré – der großen Treppe – erst dort ist der Einlass mit Ticket. Auch hier keine Wartezeit und nur eine Handvoll Touristen.

Ich schnaufe die nächsten Stufen hinauf bis zur Abbaye du Mont-Saint-Michel. Schade, dass für Wolfgang die vielen Treppen unüberwindbar sind.

Die weiteren Hauptattraktionen sind bekannt bzw. in jedem Reiseführer beschrieben, ich kann nur sagen, es ist eines der beeindruckendsten Bauwerke die ich je besucht habe. Wenn man bedenkt, dass es ehemals auch ein berüchtigtes Gefängnis war….und wie friedvoll, still und ergreifend es heute auf mich wirkt.






Am nächsten Morgen sind wir schon vor 9h beim Shuttlebus. Nachdem sich gestern die Klosterinsel im weichen Abendlicht präsentierte, wollen wir sie jetzt im Morgenlicht bestaunen.

Zu unserer Freude scheint auch heute die Sonne, wir machen ein paar Bilder nur von außen, fahren wieder zurück und können gar nicht fassen was hier plötzlich los ist. Menschenmassen reihen sich vor der Station zu den Shuttlebussen, es sind gefühlt TAUSENDE!!!! Unglaublich!!!
Der P für die Busse ist schon fast voll, und die PKW’s rollen unaufhörlich an.
Der Tipp für alle unabhängig Reisenden: am späten Abend besichtigen oder am frühen Morgen. Alles andere ist sinnlos. Es gibt auch CP oder Restaurants mit NP in der Nähe, für uns passte der P für eine Nacht gut, zumal von dort der Shutttlebus wegfährt. Die Strecke ist auch zu Fuß gut machbar, so man 2 gesunde Fuße hat ;-(

Nur mit einer geführten Tour darf man über das Wattmeer bei Ebbe zum Kloster gehen, das ist bestimmt ein tolles Erlebnis.
Glücklich über das perfekte Wetter, das Timing und die Tatsache, dass wir Mont-Saint-Michel in aller Ruhe besuchen konnten, fahren wir weiter.
Auf der Halbinsel Cotentin gibt es lohnenswerte Ziele und wir ahnen noch nicht, dass die Nordewestküste dieses Fingers der Normandie unsere Lieblingsgegend werden wird.

Der hübsche, alte Bahnhof in Carteret bietet einen großen P, auch mit Nächtigungserlaubnis. Wir marschieren hinaus bis zum Phare de Carteret mit dem herrlichen Blick auf die Dunes und den schier endlosen Plage d’Hatainville. Tolle Wanderungen könnte man hier machen, wir begeistern uns für die Aussicht links und rechts vom Leuchtturm – nur Dünen, Sand und Meer. Und menschenleer…

Ein weiterer Dünenstrand bei Gouville hat einen Logenplatz für uns.


Heute passt eine kleine Dünenwanderung zu den bunt „bedachten“ Strand-Hütten. Eine erfolgreiche Muschelsuche macht ebenfalls gute Laune…


….und dann noch großes Kino, wenn die Traktoren die Boote der Austernzüchter aus dem Wasser holen. Der passende Sundowner ist hier Calvados. A votre santé!
In der Nähe vorn Gouville sind die Ruinen vom Château und der Eremitage von Gratot. Sie sind von einem Wassergraben umgeben und liebevoll renoviert.


Die 4 Türme, darunter der Tour á la Fée verleihen dem Ensemble eine märchenhafte Atmosphäre.

„Rapunzel, lass dein Haar herunter“ – aber die Fee hieß der Sage nach Andaine…
In Port-Bail-sur-Mer, am CP Le Vieux Fort treffen wir unsere Freunde Susanne und Ueli wieder.


Der CP ist eigentlich ein Platz mit Mobilehomes, nur die erste Meerreihe ist dem „fahrenden Volk“ vorbehalten. Schon wieder ein aussichtsreicher Logenplatz. Unsere Strandwanderung führt uns heute zur Hafenkneipe, das herrliche Wetter verlangt nach einer Flasche Cidre brut.


Die Aussichtsterrasse an der Nez de Jobourg ist noch windgebeutelt und diesig, dennoch beeindrucken uns die höchsten Klippen des Cotentins. Wir düsen gleich weiter zum Cap de la Hague.

Der 48m hohe Phare de Goury warnt den Schiffsverkehr vor der starken Gezeitenströmung und ist heute ein Besuchermagnet. Wochenende und mittlerweile wieder schönes Wetter, da ist man eben nicht alleine. Prompt treffen wir ohne Verabredung am P Lisa unnd Elmar wieder und wir wollen uns in Barfleur nochmals treffen, sozusagen zum letzten gemeinsamen Abendessen.

Der winzige, malerische Hafen Port-Racine ist ein netter Zwischenstopp.

Die Boote werden hier am Bug und Heck mit 2 oder auch 3 Seilen vor den Gezeitenstürmen gesichert, damit sie nicht über die Kaimauer gespült werden.
Barfleur ist ein reizendes Städtchen mit einem der wichtigsten Häfen Frankreichs im Mittelalter. Von hier brach angeblich Wilhelm der Eroberer mit seinem Schiff Mora nach England auf.
Jetzt geht es beschaulich zu und wieder staunen wir, wie stark die Gezeiten im Hafen das Bild verändern.


In einem netten Restaurant zelebrieren wir unseren (schon wieder vermeintlich) letzten gemeinsamen Abend.

Natürlich mit Austern, Moules frites und Cidre, womit denn sonst 😉

Am Phare de Gatteville verabschieden wir uns von unseren Freunden, uns zieht es vorerst zu den geschichtsträchtigen Stränden an der Nordostküste mit den bekannten Namen rund um D-Day, aber dann vevorzugen wir wiederum die herrlich endlosen und menschenleeren Sand-Stränden der Nordwestküste. Badewetter wird prophezeit und es ist auch Zeit zum Ausspannen und Relaxen.
Wo? Das verrate ich im letzten Bericht!
Weiterlesen: #6 A place to be – das Cotentin
PS: Ein paar Ungereimtheiten mit meiner Website sind mittlerweile behoben, demnächst kommt auch Normandie #6 und dann natürlich der Bericht von unserem 3. Overlandertreffen. Es war sooo schön, gemütlich, interessant und entspannt. Wir haben uns riesig gefreut, dass so viele „alte Freunde“ bei uns waren, aber auch viele „Neulinge“ die mit frischem Schwung, Spaß und Inspirationen zum Treffen beigetragen haben.

2 Comments
Renate &Wolfgang
22. Juli 2025 at 19:38Wieder so spannend erzählt und dazu die Superfotos- was kriegst eigentlich von Frankreich dafür, dass Du Deinen Lesern ungeheure Lust auf diese Gegenden machst?
Maria
22. Juli 2025 at 20:56Ein Kisterl Cidre vielleicht, oder Champagner? Champagner geht eigentlich auch… 😉