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Europa / Island 2022 NEU

Sommerfrische – Iceland #6

18. – 25 Juni 2022

Der Sommer in Island bleibt frisch. Wir haben sehr oft blauen Himmel mit ein paar theatralischen Wolken, aber der eisig kalte Nordwind verlangt immer noch Hauberl und Daunenjacke.


In Skaftafell schlagen wir an einem CP auf, den wir in Island bisher noch nicht gesehen haben, modern und überdimensioniert. Registrieren geht nur über’s Internet, die Sanitärblöcke sind riesig, neu, natürlich beheizt und mit allem Komfort ausgestattet. Man muss schließlich auch was bieten für das gute Geld. Einfacher wär‘ uns lieber gewesen.

Die Bekassine gehört zur Fam. der Schnepfenvögel und posiert für uns ohne Scheu im Skaftafell Nationalpark.

Der Grund, warum wir hier sind ist aber der Svartifoss, der Orgelpfeifen-Wasserfall. Mit seinen überhängenden Basaltsäulen erlangt er Berühmtheit. Man muss ihn natürlich gesehen haben, und sei’s nur darum, sich die Füße zu vertreten. Hier könnten wir natürlich noch viel wandern, die Gegend ist wunderschön, aber uns zieht es weiter, zumal das Wetter momentan noch nicht sehr einladend ist. Es bessert sich, wir fahren jetzt auf der 1 (Ringstraße) durch grünes Land, wo aus allen Höhen Wasser herunterschiesst. Wir können uns noch über (fast) jeden Wasserfall begeistern, aber fotografieren müssen wir nicht mehr alle.

Diesen hier schon, der Krossárfoss macht das Herabrauschen in besonders überschwänglicher Art und fotogener Kulisse.

Kirkjubæjarklaustur ist wiederum eine willkommene Gelegenheit die Wanderschuhe anzuziehen, der Fjaðrárgljúfur Canyon ist unglaublich schön.

Eine Farbkomposition aus blau, grün, weiß, grau und braun lässt die Finger nicht von Kameras und Handy. Er ist auch sehr gut besucht, kein Wunder – Schönwetter und Sonntag. Absperrungen gibt es, wie meistens hier, nur in Richtung Gras, Blumen und Moos – wg. „Flora Protection“ – in Richtung Abgrund musst du schon selber auf dich aufpassen. Bei uns undenkbar!

Na klar, einen Wasserfall gibt’s hier auch. Apropops Flora: sie fehlt uns sehr 🙁 besonders bei unseren Wanderungen vermissen wir sie.
Kilometerlang fährt man durch eine Ebene, die Lavasteine sind polsterartig überzogen mit Moos in den verschiedensten Grüntönen.

Die Höhle in Hjörleifshöfði kurz vor Vik hat auch eine traumhafte Kulisse für uns.

Man fährt auf einer Piste fast bis ans Meer, die Lupinienfelder geben einen guten Kontrast zum üppigen Grün und dem blauen Himmel. Im Hintergrund leuchtet der Gletscher Mýrdalsjökull, was für eine sensationell schöne Landschaft.

Þakgil ist auf einer guten Piste zu erreichen und bietet einen bezaubernden CP – einer der schönst gelegenen in Island. Das bestätigen wir gerne.

Eine Höhle mit Tisch und Bänken bietet Schutz vor Wind und Wetter, den wir aber heute nicht brauchen. Hat uns der Wind auch den ganzen Tag mitunter sehr böig begleitet – hier in diesem märchenhaft verwunschenen Hochland ist es beinahe windstill. Das tut gut, wir packen den Griller aus und genießen den langen Abend beim „happy hour“ Bier.

Noch um 11h nachts leuchtet die Sonne den Bergrücken an, allerdings rüttelt uns besagter Wind dann aus dem Schlaf, er hat uns also gefunden. Wir wollen schnell hinunter ins Tal, aber die Fahrt ist etwas beängstigend. Ein Sandsturm, so wie wir ihn nur von Libyen kennen, zieht über die riesige Sand- und Schotterebene wie eine braune Walze. Nichts wie weg hier, sonst werden unsere Autos noch sandgestrahlt.

In Vik machen wir natürlich ein Bild von der Kirche (die meistfotografierte in Isalnd) gehen einkaufen und stoppen beim Felsentor und dem Black Beach. Hier ist die Brandung so gefährlich, dass sie immer wieder Touristen mitreißt, die sich fotografierwütig zu weit hinauswagen, um die Felsnadeln gut ins Bild zu bekommen.

Diese Postkartenmotive können wir nicht auslassen, sie liegen faktisch am Weg. Wir haben ja 5 Wochen Zeit und das Hochland ist noch nicht befahrbar.

Der besagte tiefbllauen Himmel ist zwar fotogen, aber der Wind nervt uns schon gewaltig. Wir lenken uns ab mit dem bekannten Flugzeugwrak, das sehr attraktiv, aber sicher nicht freiwillig, am Strand gelandet ist. Vor vielen Jahren – wie man sieht.

Direkt am Weg zu unserem Nachtplatz will der Skogafoss noch unsere Aufmerksamkeit, wir schenken sie ihm für ein paar Minuten, dann suchen wir wieder Schutz vor dem stürmischen Wind in unseren Autos.

Am CP in Hellas ist es warm und beinahe windstill, mit herrlichem Blick in die Berge. Wir können endlich wieder draußen in der Sonne sitzen, das versöhnt.

Da die F 249 in Richtung Þórsmörk schon offen ist, beschließen wir, nochmals ein Stück zurück zu fahren um zu sehen, ob man die Krossa schon furten kann. Wir queren einige Flussbette, keines davon wirklich nennenswert – aus dem Funki tönt es: des is grad amol zan Rafnwoschn! 🙂 aber uns macht es Spaß und wir bewundern die schöne Landschaft, weswegen wir ja eigentlich hergefahren sind.

Die Gletscherzunge des jetzt harmlosen Ejafjallajökull

Der Ejafjallajökull hat 2010 ganz Europa mit seinem Aschenregen in Schach gehalten.

Dann stehen wir vor der Krossa mit ihrem legendären Ruf und sind fast ein wenig enttäuscht. Sie ist sehr zahm und auch nicht wirklich tief. Das sehen wir bei den einheimischen Bussen, die die Touristen von Þórsmörk auf die andere Seite bringen. Da habe ich -zig Videos geschaut über das Abenteuer die Krossa zu furten, mir Gedanken gemacht, ob und wie wir das schaffen können, und dann das. Vielleicht hat bei den eisigen Temperaturen die Schneeschmelze in den Bergen noch nicht Richtig begonnen.

Ok, dann fahren wir halt die 16 „Furten“ wieder zurück und nehmen Kurs auf Reykjavik. Dort machen wir, was alle Touris tun. Wir marschieren vom mittelmäßgen CP zu Fuß in die Stadt, die Skyline mit dem Hafen, der Oper und den vielen modernen Gebäuden gefällt uns, natürlich auch die Kirche, der bunte Zebrastreifen….aber am besten sind Fish & Chips und im Kaffi ein guter Kaffee mit wunderbaren Waffeln.

Damit genug von der Großstadt, wir biegen ab nach Norden und trotzen Wind und Wetter um die Grabenbruchzone zu sehen, wo die amerikanische und die eurasische Kontinentalplatte aufeinandertreffen. Es handelt sich zudem um eines der ältesten Parlamente der Welt, wo schon im Jahr 930 Volksversammlung abgehalten wurden.

Der Ort ist also sowohl geologisch als auch geschichtlich hochinteressant. Uns hindern nur die vielen Touristen, die mit Bussen von den Kreuzfahrtschiffen hergekarrt werden, die in Reykjavik vor Anker liegen. Auch dieser Tourismuszweig nimmt also wieder Fahrt auf.

Um dem Trubel zu entfliehen nehmen wir die kleine Staubpiste weiter nach Norden, die Fahrt versöhnt uns zur Gänze, die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, mal öde, mal fruchtbar, mal Berge mit sattem Grün, mal staubig-steinige Hochebene.

Der Sturm strebt auch nach Superlativen, er schickt eine Böe, die uns fast 1 Meter versetzt und wir beinahe im Staßengraben landen. Uff, Nerventee hab ich nicht eingepackt und Hopfenblütentee ist schon rationiert!

Wir suchen Schutz am P vom Hraunfossar und dem Barnafoss, die beiden können wir noch ohne Regen besuchen, dann flüchten wir in unsere Kisten und warten ab, bis der ärgste Spuk vorbei ist.

Der nächsten Tag verspricht Wetterbesserung, und er hält sich daran. Nur der eisige Wind meint, sich an unsere Fersen heften zu müssen. Ok, wir sind auf Sommerfrische, im wahrsten Sinne des Wortes.

Sogar die Isländer beschweren sich über den ungewöhnlich kalten Nord-Wind, da klagen wir doch gerne mit und sind froh über die viele warme Sachen, die wir vorsorglich eingepackt haben.

Jetzt geht es endgültig in die traumhaft schönen, einsamen Westfjorde. Von unserem Woki-Härtetest auf der 622 von Þingery nach Auðkúla gibt es natürlich einen eigenen Bericht.

Vertu blessaður!

2 Kommentare

  • maria gekle
    15. Juli 2022 at 8:17

    Dem Günther aus Kufstein kann ich mich nur anschließen. Wunderschöne Aufnahmen, sicher einmalige Eindrücke,
    aber zu windig, nass und kalt. Liebe Grüße aus Hallein

    Antworten
  • Günther aus Kufstein
    4. Juli 2022 at 19:43

    Ich wünsche euch eine weiterhin so abenteuerliche Reise, und wenn es bei euch nicht so zapfig wäre würde ich glatt neidig. Günther

    Antworten

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