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Bosnien - Herzegowina

Im Herz der Dinariden- von Sarajevo bis Mostar #2

Bevor wir Richtung Sarajevo aufbrechen fahren wir nochmals hinunter nach Travnik, wir haben was Wichtiges vergessen, klärte uns die bosnische Familie auf. In Travnik muss man Cevap essen. Ganz anders serviert als bei uns, nämlich mit speziellem Fladenbrot, das am Grill geröstet und dann mit Cevap gefüllt wird. Wir bestellen „medium size“ und bekommen 12!!! Cevap im Brot, dazu eine große Portion Zwiebel – aber kein Bier! So isst man hier Cevap und so köstlich haben sie noch nie gegessen – kühles Bier gibt’s dann im Woki.

6. – 12. Mai 2024

Gestärkt machen wir uns auf den Weg nach Sarajevo, in Stadtnähe checken wir lieber auf einem CP ein. Camp Zlatiste, ein kleiner Platz mit phantastischem Ausblick über die Stadt, die wir morgen besuchen werden.

Weil wir schon am frühen Nachmittag eintreffen, gibt es noch Platz für uns. 2 Std. später ist er voll belegt. Verrückt, es ist doch erst Anfang Mai.

Kein Taxi nimmt einen Hund mit der größer ist als ein Dackel, erklärt man uns. Flora muss im WoKi bleiben, Gott sei Dank ist es nicht heiß. Sie nimmt es gelassen, beansprucht aber mit einer Selbstverständlichkeit Wolfgangs Platz auf dem Schaffell, damit sie alles im Blick hat.

Die Lateinerbrücke, wo in unmittelbarer Nähe das Attentat der Auslöser für den 1. Weltkrieg war, ist natürlich ein Besuchermagnet und lässt uns innehalten im Gedenken an Krieg, Tod und Verwüstung die hier ihren Ausgang genommen hat.

Hier ist der Attentäter Gavrilo Prinzip gestanden !

Sarajevo ist eine Fundgrube für Geschichtsinteressierte, mit tragischer Vergangenheit und multikultureller Gegenwart. An der Ferhadja, der großen Einkaufsstraße stehen noch unzählige Jugendstil-Häuser aus der österr.- ungar. Zeit in mehr oder weniger gutem Zustand.

Ein prächtiges österreich-ungarisches Gebäde ist die Vijećnica mit ihrer gestreiften Fassade. Einst beherbergte sie die Nationalbibliothek, im jüngsten Krieg wurde sie 1992 von serbischen Granaten getroffen, wo nicht nur über 2 Mill. Bücher unwiederbringlich zerstört wurden, sondern auch das Gebäude in Schutt und Asche versank. Seit 2014 erstrahlt sie wieder in alter Pracht und ist heute das Rathaus bzw. Stadthalle.

Das Bild ist leider gklaut, wir haben kein einziges brauchbares Foto, aber das beeindruckende Gebäude will ich Euch nicht vorenthalten.

Die Baščaršija ist das Herz des alten Sarajevo hier befindet sich auch der hölzerne Sebilj-Brunnen von 1753.

Wegen der vielen Tauben wird er auch der Taubenplatz genannt.
In den umliegenden kleinen Kopfsteinpflaster-Gassen reihen sich hauptsächlich Kupferschmiede sowie viele kleine bis winzige Souvenir-Läden und warten auf Käufer, natürlich mehrheitlich Touristen. Die sind noch spärlich anzutreffen, so können wir ungehindert herumschlendern. Das hat sich am Nachmittag gehörig verändert.

Die Stadt ist einfach faszinierend schön. Ein Schmelztiegel von Orient und Okzident, ein Ort mit tragischer Geschichte und pulsierendem Leben. Im Umkreis von 200m findet man Kirchen von Orthodoxen Christen, Katholiken, Moscheen und Synagogen in friedlichem Nebeneinander. Was für eine Botschaft in unserer Zeit!

Die vielen Must-See haben wir „abgearbeitet“, zumindest die meisten. Ich lass jetzt einfach die Bilder sprechen und freue mich, wenn ich den einen oder anderen animieren kann, die Stadt zu besuchen, sie ist es wert und auch die großartige Landschaft von Bosnien-Herzegowina.

Kulturgesättigt rauschen wir ab, die Ruinen der Olympischen Stätten von 1984 lassen wir aus, nicht weil es für uns Österreicher die schlechteste Winter-Olympiade ever war (nur eine einzige Bronze-Medaille) sondern weil es auch ein bedrückendes Zeugnis von Größenwahnsinn und Zerstörung abgibt.

Da begeben wir uns lieber in die Natur, der Ramsko Jezero wird bestimmt einen passenden Platz für uns haben um den kommenden Schlechtwettertag auszusitzen.

In Konjic wollen wir etwas einkaufen, da zieht eine schöne alte Brücke unsere Aufmerksamkeit an sich, Stara Ćuprija.

Auch die Flora erregt die Aufmerksamkeit von einem hübschen Hundemann, der uns nun auf Schritt und Tritt verfolgt. Wieder ein überaus freundlicher bosn.Tornjak Hirtenhund.

Der angedachte NP ganz am Ende der Halbinsel Šćit gefällt uns nicht – zum Glück, wie wir im Nachhinein feststellen. Also retour, und als wir beim Franziskanerkloster vorbei fahren, winken uns schon fröhliche Menschen zu, die auf der Hausbank sitzen.

Ana und Ivan haben bei ihrem Haus einen Platz für ein paar Camper geschaffen, direkt am Ramsko Jezero gelegen, mit Blick auf das Kloster.

Natürlich bleiben wir, wir sind in netter Gesellschaft. Martina und Micha mit ihrem Toyota HZJ wollen auch den Regentag aussitzen und Ivan meint, das geht am besten mit Pivo i Rakija.
Schlechtwetter gibt es nicht, jedenfalls keinen Regen, schlechte Laune auch nicht, dafür sorgt schon Ivan mit seinem bereits erwähnten, unerschöpflichen Vorrat .

Am Abend sitzen wir beisammen, erfahren einiges über das Leben der beiden hier und ihrer Familie.

Mit Martina und Micha werden Pläne für die gemeinsame Weiterfahrt geschmiedet. Micha kennt die Strecke zum Blidinjsko Jezero von seinen Motorradtouren, der Bergsee ist der größte, natürliche See auf 1.184m inmittes des weitläufigen Naturpark Blidinje.

Nach einigen Kilometern auf einspurigem, grobem Asphalt geht es endlich auf die Piste. Schlechter Asphalt ist schlimmer als eine Schotterpiste.

Durch dichte Wälder, vorbei an einsamen od. verlassenen Gehöften kommen wir zur Nekropole Dugo Polje, der größten von den vielen ihrer Art in Bosnien.

Stećci sind mittelalterliche Grabsteine, oft mit Ornamenten od. religiösen Darstellungen verziert, sie sind meist mehr als 500 Jahre alt.

Die Bergkette mit dem höchsten Berg der Herzegowina, Plonćno 2.228m hat noch Schneereste. Eine OffroadPiste führt hinauf, aber das ist um diese Jahreszeit wohl keine gute Idee.

Nach der Mittagsrast am See starten wir gestärkt zur nächsten Pistenstrecke mit Endziel Mostar. Wahrlich ein steiniger Weg !

Landschaftlich gehört die Strecke für uns zu den schönsten, die wir bisher gefahren sind. Kein Bild kann diesen Eindruck wiedergeben.

In unserem Offroad Führer wird sie auch als das Südamerika der Dinariden beschrieben. Nun, wir haben keinen Vergleich, aber ob in Bosnien od. Südamerka, ganz egal, hier ist es einfach sensationell schön.

Die Begeisterung kennt keine Grenzen, die Piste allerdings schon. Der Weg ist plötzlich verschüttet!Was nun ?

Die Optimisten beginnen schon mit Pistenbauen, aber die großen Brocken lassen sich nicht bewegen.
Wir sind auch nicht sicher, ob die Steine vom Hang heruntergerutscht sind, oder ob jemand mit Absicht den Weg versperrt hat.

Weil er gänzlich unpassierbar wird? Weil es nicht erwünscht ist hier zu fahren?

Obwohl, Touristen verirren sich ja kaum hierher, das wird wohl andere Gründe haben. Schlussendlich respektieren wir die Gegebenheit, fahren ein Stück zurück und finden selbstverständlich noch eine Piste, die uns erfreut und unsere Autos fordert.


Mostar erreichen wir erst am Abend, Martina und Micha haben hier ein Zimmer reserviert, wir checken am CP Neretva – am gleichnamigen Fluss gelegen – ein, hier hat Flora endlich die Möglichkeit nach der vielen Rumplerei ihre Runden zu drehen.

Am Morgen das selbe Theater mit Taxi und Hund. Keine Chance, meint der nette junge Mann am CP. Also wieder ohne Flora in die Stadt.


Jeder kennt die Geschichte von Mostar und der berühmten Brücke, sie ist ein beeindruckendes Zeugnis, dass mit vereinten Kräften (und da gehören sicherlich auch die Mittel der EU dazu) einiges wiederhergestellt werden kann. Die EU hat schließlich im Krieg kräftig mitverdient mit den Waffenlieferungen.

Mich beschäftigt trotzdem die Frage: Was ist geblieben vom ehemaligen Mostar und wie geht es den Menschen außerhalb der Touri-Zone? Haben sie auch die Unterstützung bekommen um ihre zerbombten Häuser wieder aufzubauen? Der Taxler, den wir fragten sagte: NEIN! Er verdient sich das Geld mit den Touristen, die er von A nach B bringt, so wie uns. Und wie zum Dank, versprach er uns, uns gegen Abend wieder abzuholen – mit Flora, denn er liebt Hunde – und am späteren Abend am verabredeten Zeitpunkt und Ort wieder zurückzubringen (mit seinem Privatauto), aber wir dürfen ihn nicht verraten!


Die Einbogenbrücke Stari Most ist wahrscheinlich eher für besagte Touristen gemacht denn für die Bewohner von Mostar, sie wird regelrecht gestürmt. Am extrem rutschigen Steinpflaster kann man gar nicht ausrutschen und hinfallen, dafür gibt es keinen Platz. Die Brückenspringer verstehen es mittlerweile auch sich zu vermarkten, denn nur wenn sie genügend Geld von den Touristen bekommen springen sie. Wir wollten den Nepp nicht unterstützen, daher kein Foto.

Am Vormittag st es noch ruhig im Bazar. Das ändert sich am Nachmitag, blöderweise ist schon wieder WE und es herrscht beängtigendes Gedränge.

Micha hat einen Guide organisiert, der uns die Stadt mit ihrer traurigen Vergangenheit erklärt (und natürlich auch ein Bild von uns macht!)

Die kleine Brücke ist aus der osmanischen Zeit und nicht so überlaufen.

Die Stadt ist von Gebirgsketten umgeben, daher im Sommer sehr heiß.

Sie ist die historische und auch gegenwärtige Hauptstadt der Herzegowina.

Mostar ist die Stadt des Lichts, aber auch des Tourismus in seiner vollendeten Form. Kann man im selben Atemzug nennen wie Hallstatt usw…. aber sehr stilgetreu und authentisch renoviert. Nur eben jeder Quadratzentimeter genutzt für Gäste – wie wir – die Geld bringen.


Die Brückenwächter Halebija auf der Westseite und der Tara-Turm auf der Ostseite geben natürlich ein sehr stimmiges und fotogenes Bild ab. Wahrscheinlich millionenfach abgelichtet und das gratis !

Der Abend verläuft gemütlich, feines Essen, guter Wein in schöner Lage am Wasser, das lassen wir uns schmecken und zum Abschied noch ein Abendfoto von der Brücke.

13km südl. von Mostar entspringt in einer Karsthöhle die Buna mit gewaltigen Wassermassen. Sie ist die stärkste Quelle des Landes.

Neben der Quelle steht ein Derwisch-Kloster aus dem 17. Jhd.

Sehr fotogen und exponiert ist der Erker direkt über dem tiefblauen See, den die Buna gebildet hat, bevor sie in die Neretva mündet.

Jetzt haben wir genug von Menschenansmmlungen, wir rauschen ab in die Berge.
Das Ziel ist das Morine-Hochkarstplateau – Mysteriöse Friedhöfe und ewige Weite!


Steigt ein, wir nehmen Euch mit, es lohnt sich!

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