Die Côte de Granit Rose haben wir mit allen Sinnen genossen, jetzt geht’s weiter. Erst einmal ins Landesinnere, südl. von Morlaix interessieren uns noch die Enclos Paroissial. Nie gehört? Wir auch nicht, deshalb fahren wir hin!
13. – 21. Mai 2026
Die Enclos Paroissial also „umfriedete Pfarrbezirke“ sind eine Besonderheit in der Bretagne, entstanden im 16. u. 17. Jh. Durch den blühenden Tuchhandel wurden auch kleinere Orte reich und konkurrierten miteinander bzw. gegeneinander um die prachtvollsten Pfarrbezirke.

Sie sind immer von einer hohen Steinmauer umfasst, daher der Begriff eingeschlossen, umfriedet. Das Triumphtor und der Calvaire mit den umlaufenden Figurenfriesen, das sind kunstvolle Steinmetzarbeiten im Stil der Reaissance wirklich eine Besonderheit. Mit den dazugehörenden Kirchen bilden sie ein harmonisches Ensemble.




Saint Thégonnec, Guimiliau, und Lampal-Guimiliau sind die bedeutendsten und besuchenswertesten Enclos Paroissial, somit haben wir auch genug gesehen und bestaunt.

Erwähnenswert ist noch, dass es in den 3 Orten jeweil einen kostenlosen SP gibt, der grade mal ein paar Schritte von der Sehenswürdigkeit entfernt ist.

Das Wetter bleibt wechselhaft, der kalte Nordwind ist unser treuer, ungeliebter Begleiter.
Auch wenn wir wissen, dass es an der Küste nicht besser sein wird, zieht es uns doch wieder ans Meer. Ein allseits empfohlener CP mit Top-Plätzen direkt vor dem Plage des Amiets wird angesteuert, die Sorge, dass die besten Plätze wg. dem verlängerten WE (Christi Himmelfahrt) belegt sein werden ist unbegründet. In erster Linie dem Wetter geschuldet – es ist sehr kalt und sehr stürmisch, wer tut sich das schon an ??? WIR !!!

Der große CP Village de Roguennic wäre ohne die tollen Plätze in erster Meer-Reihe so gar nicht unser Ding, aber die Sicht vom schützenden WoKi aus auf den aufgebrachten Atlantik mit der tosenden Brandung begeistert uns. Wilde Wolkentürme und das Wechselspiel der Gezeiten sind atemberaubend und großes Kino für uns.

Am nächsten Tag ist die Morgenstimmung unfaßbar friedlich, sogar der Wind schläft noch. Aber irgendjemand hat ihn dann wachgerüttelt.

Hier am Ärmelkanal kann er so richtig Fahrt aufnehmen und das tut er auch. Heftig und ungestüm. Ich mag diese Urkraft des Meeres (jedenfalls wenn sie keinen Schaden anrichtet) Sie ist so gewaltig, so phänomenal , so emotional … und die Kraft der Sonne werden wir hoffentlich auch wieder zu spüren bekommen, irgendwann 🙂

Viele Hunde fetzen am Strand auf und ab, die Flora buddelt als wäre hier ein Schatz vergraben – oder ein stinkender Fisch! Da die Suche erfolglos war, widmet sie ihre Aufmerksamkeit den hier zu tausenden!!! (nicht übertrieben!) wild lebenden Kaninchen. Sie haben die Scheu vor den Menschen beinahe verloren und provozieren ein Versteckspiel mit der überforderten Flora. Sooo viele Hasen – das hat sie noch nie erlebt. Wie immer, bleibt sie trotzdem ganz brav beim Woki liegen – ohne Leine natürlich. Nur wenn die Frechdachse sich erdreisten unterm WoKi durchzulaufen, macht sie ihnen Beine, und das darf sie dann auch!
Am Strand kann man bei Ebbe stundenlang am feinen Sand wandern, manchmal lacht sogar die Sonne – merci beaucoup.


Bevor die Flut den ganzen Strand wegfrisst, sollte man besser zuhause sein, sie kommt rascher als man denkt.
Am linken und rechten Ende des Strandes stehen die typischen kleinen Granithäuser zwischen oder an den Felsen.

Sie sind unbewohnt bzw. waren Zöllner oder Wächterhäuschen.

Die Strandbude preist auf einer Tafel Moules frites an. Da sagen wir nicht nein. Es ist Sonntag, viele Franzosen sitzen hier und schlemmen, das ist immer ein gutes Zeichen. Wir entscheiden uns für einmal Moules mariniéres und einmal Moules á la crème. Beide ein Gaumenschmaus! Ein Tisch inside muss es sein, an den schönen Plätzen outside hätte es uns die Muscheln sicher aus dem Topf gewachelt.

Jeden Tag geht die Sonne unter, aber die Regie hat ebenfalls jeden Tag ein anderes Spektakel für uns!
Beim Check out meint die Dame an der Rezeption, wir sollten es noch 2 Tage aushalten, dann kommt der Sommer, aber wir hatten 4 bewegte Tage hier, es geht weiter. Oder eigentlich ein Stück zurück. Roscoff sollte man nicht auslassen – ach, hätten wir es doch getan! Es war erbärmlich kalt und windig, da kann uns auch der pitoreske Glockenturm nicht erwärmen.

Genausowenig wie die ehemalige Bischofsstadt Saint-Pol-de-Léon. Die Cathedrale Saint-Paul-Aurélien ist imposant, auch im Inneren.

Der 78m hohe Turm der Kirche Le Kresker ist der höchste Turm der Bretagne.

Uns interessiert aber jetzt hauptsächlich, wo gibt es eine nette Bar zum Aufwärmen? Womit – mit Pastis natürlich, es ist ja schon mittag. Er hat seinen Auftrag erfüllt, dazu ein hervorragendes Sandwich, die Welt ist wieder in Ordnung.
An Menhiren und Leuchttürmen mangelt es nicht in der Bretagne, daher ist unser nächster Stop beim Menhir du Pontusval

…. und dann beim Phare de Pontusval, der ein wenig an eine Kirche erinnert

Hier gibt es schon Sonnenfenster, der Wind bläst immer noch kräftig aber nicht mehr so eiskalt. Also wandern wir ein Stück vom GR 34 der Küste entlang und nehmen dann gerne die Einladung des Heiligen Michel an, er hat einen wunderbaren Nachtplatz für uns, sonnig und in himmlischer Ruhe.

Ein weiterer Fixpunkt wäre jetzt der Phare de l’îlle Vierge, aber er versteckt sich hartnäckig im Dunst und ist sturmumtost. Nur bei extremen Springniedrigwasser kann man die Insel mit dem Leuchtturm zu Fuß erreichen, sonst gibt es eine Personenfähre hinüber. Der Leuchtturm hat Superlative: 82,50m 365 Stufen! Dieser Herausforderung hätte ich mich glatt gestellt, aber ohne Aussicht von oben lohnt es sich nicht.

An der Côte des Legendes ist es ebenfalls stürmisch, das schmale Sträßchen folgt einer wilden Klippenküste, wie aus dem Bilderbuch. Die Schlagzeile vom 1978 ist bestimmt noch vielen in Erinnerung, als der Öltanker Amoco Cadiz im Sturm auf die Klippen lief. 223.000 Tonnen Rohöl verursachchten eine der größten Umweltkatastrophen, mit der die Region jahrelang zu kämpfen hatte.

Eine Gedenktafel an der Küste und der gigantische Anker von 20 Tonnen im Hafen erinnern daran. Leider ist es für gute Fotos zu diesig, aber der kommende Streckenabschnitt ist für uns der Spektakulärtste. Viele P mit herrlichem Blick auf das ungestüme Meer und die kleinen Felsinselchen davor, dazwischen an Irland erinnernde Steinkreuze und Kapellen. Da möchte so gerne noch einmal hin bei besserem Fotolicht!
Die NP Suche mit Hindernissen bringt uns zu den Dunes de Ste-Margeruite, ein bei Surfern überaus beliebter Platz hinter den Dünen vom weitläufigen Sandstrand. Wind ist ja kein Thema hier, zur Freude der Wassersportler, die zuhauf anzutreffen sind. Für uns haben sie auch ein Plätzchen übrig. Wing-Foiling ist ja der neueste Hype und man kann nur staunen mit welchen Materialeinsatz man hier zugange ist. Kitsurfer, Sandsegler, Wakeborder….dagegen sind die Wellenreiter die reinsten Minimalisten mit ihrem Brettchen. Als die Sportlichen ihr umfangreiches Equipment wieder verstaut haben, stehen nur mehr 2 Autos da. So sehr uns das Treiben der jungen Leute auch fasziniert hat, freuen wir uns doch über einen gemütlichen Abend und eine ruhige Nacht.
Wir nehmen die kleine Straße D113 über den Aber Wrac’h, ein tiefer Taleinschnitt des Flusses, dann kommen wir nach Lannilis. Dort ist heute Wochenmarkt, das lassen wir uns nicht entgehen. Was hier alles feilgeboten wird!!! Reiche Beute machen wir bei den Käseständen, natürlich auch bei Gemüse, aber das unglaublich große Angebot an Erdbeeren macht uns stutzig. Na klar, jetzt erinnern wir uns, wir sind im berühmten Erbeergebiet um Plougastel. Sie sehen aus, wie die Erbeeren aus meiner Kindheit in Mama’s Garten.

Dunkelrot, herzförmig, mit einem Aroma das wirklich unvergleichbar ist.
Schlemmereien, Leckereien und sogar ein T-Shirt mit einem Leuchtturm haben wir erstanden, zufrieden ziehen wir weiter.
In Le Conquet wartet ein netter, fast leerer CP mit großen Plätzen und Blick auf das kleine Fischer- und Hafenstädtchen auf uns. Ein guter Ort um alle Köstlichkeiten zu verschmausen um dann im 7. Erbeerhimmel zu landen 🙂



Ein kleiner Steig führt hinunter und eine Fußgängerbrücke bringt uns in die Stadt. Im alten Kern gibt es einige Cafés, Bars, Souvenierläden, das üblich halt. Aber sehr gemütlich und überschaubar. Wir wollen uns am Hafen nach der Fähre erkundigen, die uns zur Île d’Ouessant schippert, wäre für morgen angedacht. Ticket muss man nicht vorbuchen, Kinderradl geht auch 🙂 also warten wir ab was der Wetterbericht für morgen vorhersagt. Ouessant ist ja bekannt für hartnäckige Nebeltage – mal sehen.

Wir gehen noch hinunter zum feinen Sandstrand Plage des Blancs Sablons, schon wieder ein traumhaft schöner Sandstrand. Und an der Anzahl der P hier zu schließen dürfte er sehr beliebt sein. Um diese Zeit ist er recht einsam und wunderschön.
Wie befüchtet wird es nebelig trüb, damit verzichten wir auf die Insel, leider! Weiter südlich bleibt es wolkenlos und die Temperaturen gehen steil nach oben. Ab in den Süden!
Am Weg dahin kann man den 37 m hohen Phare de Saint-Mathieu nicht übersehen, noch dazu, wenn er so fotogen hinter den Ruinen eines Klosters steht.


Ganz mystisch wabbelt der Nebel herum, manchmal kommt schon diie Sonne durch, aber die 2 Leuchttürme gefallen uns im Nebel ohnehin besser.

Dann hält uns nix mehr, wir fahren weiter und finden eine wunderbare Bucht um den bretonischen Sommer zu genießen.
Weiterlesen: Jeden Tag eine gute Tarte / Bretagne #7

3 Comments
Micha
4. Juni 2026 at 8:17Wenn ich die Bilder sehe, muss es nächstes Jahr wohl wieder mal in die Bretagne gehen. Ihr wart ja exakt auf unserem Lieblingsplatz am Amiets. Hach, diese Aussicht!
Schade, dass das Wetter so übellaunig ist. Aber ich sehe es wie du: auch das hat was. Jetzt wünsche ich euch trotzdem mal mehr Sonne, um die Strände noch besser zu genießen. Und trinkt gerne einen Pastis für uns mit!
Liebe Grüße
Micha
Maria
12. Juni 2026 at 18:55Ja, Euren Lieblingsplatz hab ich mir schon zuhause markiert und egal wie das Wetter ist, der ist einfach eine Wucht! Ich hätte einen Vorschlag: Mach doch bitte einen Reiseführer Bretagne. Den hätte ich sofort gekauft! Wir fahren sicher im Herbst oder im Frühling nochmals hin, weil wir in 8 Wochen nicht einmal die ganze Bretgne geschafft haben!!!
Liebe Grüße
Maria & Wolfgang & Flora
Micha
13. Juni 2026 at 10:01Der Bretagne-Reiseführer kommt als Nächstes, Maria. Ich hoffe, dass ich ihn diesen Sommer fertiggestellt bekomme.
Jetzt muss ich aber erst mal den Schottland-Reiseführer mit den Orten unserer Frühlingsreise aktualisieren.
Liebe Grüße
Micha