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Österreich / Südsteiermark

Südsteirische Weinstraße

Unser Patient, der Toyo, wurde als geheilt entlassen, nur unser Bludruck steigt in den ungesunden Bereich beim Bezahlen der Rechnung. Dieser reguliert sich am Besten mit einem WoKi-KurzTrip! Für den Testlauf haben wir die Südsteiermark ausgewählt. Weit genug weg, um motorseitig aussagekräftig zu sein und lohnend genug, damit wir auch etwas davon haben.
Wein, zum Beispiel…

2. – 6. Juni 2019
Die Route soll uns über den Sölkpass führen, dort möchten wir in der nächsten Zeit ein paar Bergtouren machen und uns daher ein wenig umsehen. Also fahren am Sonntag Nachmittag ganz gemütlich los, es sind ja nur ca. 120km bis zur Passhöhe. Da oben gibt es bestimmt einen schönen Nachtplatz für uns.
Womit wir nicht gerechnet haben ist, dass der Sölkpass immer noch Wintersperre hat. Das überrascht uns, hatte ich doch anderslautende Infos aus dem Netz.  Dann fahren wir halt weiter bis Trieben und jagen den Toyo über den Triebener Tauern Ri. Süden.
Das Wetter ist herrlich und die Stimmung bleibt ungetrübt, denn der Toyo läuft wie wir es gewöhnt sind.
Nach Judenburg kommt noch der Obdacher Sattel, vorbei an Wolfsberg, bis wir bei Lavamünd auf die Soboth abbiegen. Da schrauben wir uns hoch, Kehre um Kehre, mit schönen Ausblicken ins Drau-Tal, bis wir am Soboth(Stau)See landen. Dass wir heute noch so weit kommen, hätten wir nicht gedacht. Wir finden sogar einen wunderschönen Fleck, direkt am See. Auch traumhaft!
Immerhin haben wir mehr als 300 km geschafft – über Berg und Tal, wohlgemerkt.
Tisch und Sessel raus, genießen!

Darauf wird angestoßen und beschlossen, den nächsten Tag hier zu verbringen. Genau an der Grenze zwischen Kärnten und Steiermark.

Der See hat Trinkwasserqualität, erzählt uns ein Einheimischer, aber die Wassertemperatur ist nur für Flora einladend. Keine 15° !
Uns genügt ein Sonnenbad.

Wir wandern den See entlang, übersehen ein Gewitter und kommen triefendnass heim,  pitschnass bis auf die Haut. Hat sogar Spaß gemacht, wie die Kinder im Regen zu laufen.
Am Ende vom See liegt St. Vincent und weil wir es zu Fuß nicht bis dahin geschafft haben, fahren wir am nächsten Tag zurück zu dem geschichtsträchtigen Ort, von dem wir zugegebenermaßen noch nie was gehört haben.

Einst einer der bedeutendsten Orte der Glaserzeugung in der gesamten k.u.k. Monarchie, schlummert er nun im Dornröschenschlaf. Heute ist nur mehr die Kirche, das Forsthaus und das ehemalige Schulhaus erhalten geblieben.

Schautafeln geben Infos und wir geben uns damit zufrieden, ziehen wieder hinaus und weiter Richtung Steiermark. Jetzt wissen wir auch, warum es hier so viel “Glitzersteine” gibt, es sind die reichen Quarzvorkommen im Bereich der Koralpe.

St. Oswald, Eibiswald, Ahrnfels sind die nächsten Orte und wir sind überrascht, wie schön hier Häuser und vor allem die Gärten sind. Der Rasen macht ja den europäischen Insulanern – zumindest im geografischen Sinn! – Konkurrenz. Sehr schön, sehr gepfegt, manchmal mit einem Anflug von Kitsch, aber da sind die Geschmäcker halt verschieden, das Auge erfreuen sie allemal.
Wir erwarten nun die ersten Weingärten, schließlich heißt der nächste Ort schon Leutschach an der Weinstraße und ist angeblich die größte Weinbaugemeinde der Steiermark.
Aber links und rechts der Straße sehen wir nur Hopfenäcker! Die begeistern mich natürlich auch, schließlich bin ich Mühlviertlerin und durfte mir schon als Volksschulkind die ersten Schillinge mit der Ernte der Hopfenblüten verdienen. Durfte, ja wirklich durfte, denn ich war sehr stolz darauf. War fast ein Privileg da mitzumachen! Meine Leidenschaft für Bier ist hiemit erklärt 😉

In Leutschach begrüßen uns dann natürlich schon die ersten Weingärten, der Ort ist hübsch herausgeputzt, wir bewundern auch den weltgrößten Klapotetz, der mit seinen 19m Höhe etwas unmotiviert vor einem großen Einkaufszentrum steht.
Wir zweigen ab Ri. Grenzland Weinstraße, jetzt ist die Landschaft so, wie wir das erwartet haben. Weingärten ziehen sich die steilen Hänge empor, hier wird emsig gearbeitet. Dazwischen natürlich Buschenschanken, fast in Reih und Glied, von rustikal bis nobel, alles vorhanden. Die schmale Straße windet sich in teils engen Kurven berauf bergab, die Grenze zu Slovenien würde man kaum bemerken, wären da nicht die Hinweistafeln.
Heute ist Montag, viele gehobene Weingüter haben Ruhetag und so fallen wir hungrig und durstig bei der nächstgelegenen offenen Buschenschank ein. Hier gibt es alles, was man sich von dieser Region erwartet, Käferbohnensalat, Verhackertes, Sulz, Geselchtes …
Wir probieren einfach einmal und bestellen Käferbohnensalat, dazu eine gemischte Jause für 1 Person, in weiser Voraussicht! Damit sind wir nämlich zu zweit!!! schlichtweg überfordert, denn was da alles auf einem Jausenbrettl aufgehäuft wurde, ist beinahe verstörend. Speck, Wurst, Käse, Aufstrich, Sulz…in einer unglaublichen Menge und einem wilden Durcheinander – eh sicher gut gemeint!
Aber das verschlägt einem fast den Appetit…
Da trinken wir lieber noch eine Schilchermischung – die schmeckt hervorragend – und packen für die Flora ein paar Geschmacksverstärker ein.
Es gibt noch einen Pluspunkt – die Aussicht war grandios ;-))

Etwas weinseelig suchen und finden wir gleich 100m weiter einen tollen Rastplatz, setzen uns in die Sonne und machen Kaffee. Auch ein Verdauungsschnapserl muss jetzt sein!

Die Rast hat gut getan und war auch nötig, wir fahren weiter nach Ehrenhausen, Gamlitz und finden die Orte und ihre Umgebung besonders schön.
Ganz besonders schön ist auch unser Nachtplatz bei Kranach, mitten in den Weinbergen.

Die Aussicht ist top, wir wandern ein wenig durch die Weinberge und schauen begeistert in der Gegend herum.

Am Horizont entdecken wir eine Kirche, die liegt so schön am Hügel, da fahren wir morgen hin.
Die Buschenschank nebenbei hat heute auch Ruhetag, daher machen wir uns einfach selber ein feines Essen. Da wissen wir wenigstens, was auf den Tisch kommt.


Das schöne Fleckchen verlassen wir am nächsten Tag nach dem Frühstück, fahren hinunter nach Leutschach. Dort trinken wir am Vormittag im stimmungsvollen Café “Das Kniely” Cappuccino und bestellen, nach eingehendem Studium der Karte, STIN!
Jetzt ist der Kellner überfordert und fragt nach, ob er richtig verstanden hat.

STIN ist Styrian Dry Gin, der schmeckt uns auch am Vormittag. Ja, man hat es schon schwer in einer Weingegend ;-))

Derart beschwingt geht es hinauf zum Schlossberg bis zur Kirche Sveti Duh – zu deutsch, Kirche zum Heiligen Geist am Osterberg. Die liegt schon in Slovenien und die Straße führt kurvenreich und eng bergauf, der Ausblick belohnt uns.

Auch die Kirche selbst ist durchaus sehenswert.


Ein slovenisches Bier genehmigen wir uns da heroben, ist ja nicht mehr unmittelbar in der Weingegend, da ist es wohl nicht verpönt 😉
Erstaunt sind wir über ganze Hänge voll Holler, der hier kultiviert wird und jetzt in der Blüte ausnehmend hübsch anzusehen ist. Hier riecht es nach Hugo ;-))
Keine Hollerstauden wie bei uns, sondern richtige Bäume.
Über Großklein und Kleinklein fahren wir hinauf nach Kitzeck im Sausal, auch diese Kirche grüßt schon von Weitem. Hier hat man wiederum herrliche Rundumsicht, die Tafeln auf dem Klatopetz zeigen, wie touristisch bzw. vermarktet die Gegend ist.
Buschenschank, Weingut, Panoramahotel, Kellerschank….alles im Überfluss!

Weil wir heute abend gerne eine Dusche hätten, kriegt das Navi die Koordinaten vom Naturcamping in Gleinstätten, da soll es fußläufig auch Buschenschanken geben.
De CP liegt direkt an einem kleinen See (allerdings auch direkt neben einer stark befahrenen Straße). Wir stellen uns ganz prominent davor, inspizieren die Sanitäranlagen und sind baff erstaunt. So modern und großzügig hatten wir es noch nie.

Nette Nachbarn haben wir auch, die erzählen uns, dass fußläufig nichts Besonderes ist, sie empfehlen uns eine Buschenschank bei Pistorf, Schneiderannerl.
Das Prospekt macht uns neugierig und so sind wir uns rasch einig. Ein Taxi bringt uns hin und zurück, dazwischen liegt ein geselliger Abend mit Rosi und Helmut. Die kulinarischen Spezialitäten überzeugen und versöhnen uns mit den steirischen Buschenschank-Schmankerln, hier schmeckt nicht nur alles hervorragend, es ist auch nett angerichtet. Schließlich isst auch das Auge mit!

Auch das Ambiente ist authentisch, so haben wir uns das vorgestellt.

Am nächsten Tag geht es schon wieder heimwärts, wir wählen wiederum eine Route, die den Toyo fordert und testet, das ist schließlich der Sinn der Übung.
In Deutschlandsberg geht es Ri. Pack auf die Hebalm, bei Bad St. Leonhard im Lavanttal zweigt die Straße ab zum Klippitztörl, immerhin 1.644m hoch. Auf der Passhöhe gibt es, na no – na ned, wieder eine herrliche Aussicht, einen schönen Rastplatz und eine kleine Wanderung mit Flora. Die vielen Kurven sind ja noch immer nicht ganz ihr Ding, aber sie trägt es mit Fassung und wird immer gelassener! Zumal sie weiß, am Ende gibt es immer auch für sie Spaß!
Murau und Ramingstein sind die nächsten Orte, der Toyo läuft klaglos, daher machen wir nochmals ganz entspannt Rast in der ausnehmend schönen Hauptstadt vom Lungau.
Der Hauptplatz von Tamsweg ist besonders stimmig!

Der Kurztrip in die schöne Südsteiermark hat sich gelohnt und der Toyo hat unser Vertrauen wieder !

Derart motiviert starten wir erneut am kommenden Sonntag – 16. Juni 2019 .
Wolfgang und Toni satteln die Räder und wenn alles nach Plan läuft geht die Fahrt zuerst mit der Bahn nach Mallnitz, weiter mit dem Rad nach Villach, dann im Kanaltal z. T. auf der alten k.u.k. Eisenbahntrasse Ri. Udine nach Grado und von dort über Triest nach Pula.
Ein ambitionierter Plan, hoffentlich spielt das Wetter mit!

Ich habe mir den angenehmeren Part ausgesucht: Flora und ich begleiten die beiden Sportlichen mit dem WoKi. Das Betreuungs-Begleitfahrzeug sozusagen !

Wer wissen will ob die Zwei das schaffen, einfach mitlesen – und Daumen halten, schadet mal gar nicht!!!

1 Kommentar

  • Deter Erika
    14. Juni 2019 at 11:18

    Hallo liebe Womo-Freunde,

    schön zu lesen, dass es Euch gut geht und Ihr alle wieder gesund seid. Nicht nur dass der Toyo wieder in Ordnung ist, auch dass es Eurer Schoko-Maus wieder gut geht. Der Biss war für die Fellnase sicherlich ein ziemlicher Schreck. Aber das habt Ihr nun hinter Euch gelassen und nun auf zu neuen Ufern. Von Kreta sind einige unserer Bekannten ganz angetan. Ihr werdet sicherlich wieder tolle Plätze finden und uns auf die Reise virtuell mitnehmen.

    Seid nun herzlich gegrüßt aus dem sonnigen Berlin.

    Erika und Detlev

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