22. – 28. April 2026
Wir wechseln vom überfüllten SP in Fougéres auf einen stadtnahen CP. Die bekannten Hindernisse (Baustellen und Umleitungen) sind auch heute eine Plage, aber schlußendlich erfolgsgekrönt. Wir stehen mitten in einem grünen Park mit einem kleinen Bächlein in völliger Ruhe, was für ein Benefit!
Nach Cancale sind es nur ca. 70km da ist genügend Zeit für einen Stop beim Menhir du Champ-Dolent, dem (angeblich) größten „Hinkelstein“ in der Bretagne, über 9m hoch! Er steht etwas verlassen mitten in den Feldern und Wiesen außerhalb vom Ort Dol-de-Bretagne. Wir haben ihn bestaunt, umarmt und sind weitergezogen.

Der Hügel Mont-Dol verspricht eine großartige Fernsicht über die ebene Salzsumpflandschaft. Vom Klosterberg Mont Saint Michel im Osten bis Cancale im Westen. Der Aufstieg mit den vielen Treppen ist dann doch eine Herausforderung für Wolfgang’s Knie, obwohl der „Berg“ nur 62m hoch ist.

Oben erwartet uns neben der angekündigten tollen Sicht die Chapelle Notre Dame de l’Esperance und eine schön restaurierte Windmühle. Es hat sich gelohnt.

Jetzt auf nach Cancale! Der Slow Drive macht sich bemerkbar, wir sind schon am frühen Nachmittag vor Ort. Wiederum ein toller SP oberhalb vom Hafen, der ist locker besetzt und jetzt wissen wir auch warum überall relativ viel Betrieb ist für Ende April – die franz. Kinder haben Frühlingsferien. Die 2 Nächte am SP kosten € 24,- die Franzosen haben ein Herz für Camper.

Am frühen Abend marschieren wir noch in die Stadt, schlendern entlang der Schlemmermeile zu den zahlreichen Austern-Verkaufsständen. Hier kann man Austern kaufen und essen wie bei uns am Würstelstandl die Burenheidl oder Käsekrainer.



Alles dreht sich um Austern in Cancale. Seit Ende 2019 sind sie auch immaterielles UNESO-Weltkulturerbe. Im Dutzend sind sie billiger, je nach Größe und Sorte und ich rüste mich gedanklich für den morgigen Gaumenschmaus.

Heute darf es noch Cidre sein, in der Hafenbar serviert man ihn stilecht in der Tasse.
Nach der ruhigen Nacht sind wir voll Tatendrang und schmieden Pläne für den Tag. Flora und ich machen uns am Weg zum Hafen, Wolfgang kommt mit seiner neuen Errungenschaft, einem Klapp E-Bike nach, damit ich meine Austern zwar alleine, aber doch in Gesellschaft schlürfen darf. Wolgfang versagt sich die Spezialität, der Hype darum der hier gemacht wird lässt ihn völlig kalt. Austern mag man – oder nicht. Ich mag sie nur in Frankreich, wenn sie frisch aus dem Meer kommen. Ich entscheide mich für 6 Stück Huîtres Creuses und 6 Stück Huîtres Plats, also die flache Auster, die einen besonderen Geschmack haben soll. Diese unbedingt ohne Zitrone schlürfen, wird mir noch empfohlen! Dann setz ich mich auf die Stufen mit einem Glas kühlen Wein und am Ende schmeisst man die Schalen ins Meer, bzw. ans Meer. So weit hätte ich sie gar nicht werfen können und mein Fotograf war gar nicht schnell genug, so rasch hab ich sie verputzt oder „verschürft“ 🙂



Die Stadt ist heute voller Leben, in alles Restaurants sitzen die Familien draussen und schlemmen nicht nur Austern sondern auch anderes Meeresgetier, das ich noch nie gesehen habe, jedenfall nicht auf einem Speiseteller.

La Pointe Grouin ist unser Ziel, bloß den Weg dahin machen wir nicht gemeinsam. Wolfgang schwingt sich auf den Drahtesel, die Flora und ich starten mutig zu Fuß auf den Zöllnerpfad GR 34 hinaus zur Landspitze.

Der Küstenwanderweg ist wunderschön angelegt, immer mit Blick auf das Meer und die vorgelagerten Inseln.

Was ich nicht behirnt habe bzw. recherchiert habe ist, dass der Pfad nicht nach meinen Vorstellungen eines Küstenweges verläuft, sondern mit zahlreichen, sehr hohen Stufen die vielen Höhenmeter bergauf bergab zu überwinden sind. Dem felsigen Gelände angepasst. Zudem ist es brütend heiß, der Wasservorrat bald aufgebraucht und im Wissen, dass wir alles wieder retour müssen, drehen wir rechtzeitig um. Verdursten wäre hier im Paradies für Genießer keine Option.

Das Ziel vor Augen 🙁
Es war trotzdem eine tolle Wanderung. Wir werden beim WoKi schon mit Cidre empfangen, dann noch grünen Spargel mit Filetspitzen verwöhnt, ja wenn man seinen Lieblings- Haubenkoch mithat … dann hat man es gut!
Wir nehmen die Küstenstraße am Weg nach San Malo und möchten am liebsten alle 100 m anhalten. So eine großartige Küstenlandschaft.

Beim Fort du Guesclin bleiben wir zum Fotostopp stehen, die Kulissen ist im weichen Morgenlicht besonders schön, dazu der riesige Sandstrand – noch menschenleer.
Unterwegs sticht uns eine wunderschöne Landschaft ins Auge, dort sehen wir auch Wohnmobile und nach dem Einkauf in unserem Lieblingssupermarkt E.Leclerc an der Einfahrt nach San Malo drehen wir kurz entschlossen um, San Malo kann warten. Der CP des Chrevets hat einen extraschönen SP für uns mit Blick aufs Meer und die kleinen Inselchen davor.

Der Sandstrand ist beinahe kilometerlang und locker besetzt, es sind ja noch Ferien. Die Mutigen plantschen schon im Wasser.

Wir gehören nicht dazu! Flora rettet unsere Ehre und dreht begeistert ihre Schwimmrunden.

Natürlich bleiben wir, wo könnte es jetzt schöner sein? Das Licht bei unserem Morgenspaziergang ist so weich und die Farben des Himmels und des Wassers so einzigartig.

Ich habe viel über das spezielle Licht in der Bretagne gelesen, jetzt kann ich es erst richtig verstehen.


Nach diesen Genuß- und Faulenzertagen sind wir bereit die Korsarenstadt Saint-Malo zu entern. Im 2. Weltkrieg völlig zerstört, wurde sie nach alten Plänen und Dokumenten wieder aufgebaut.

Das Viertel Intra Muros umgibt eine Stadtmauer, auf der man die Stadt umrunden kann. Wir sind heute weniger sportlich unterwegs, wir beschränken uns auf die wichtigsten „Must See“.



Zur Île du Grand Bé kann man bei Ebbe hinüberwandern, auch das passt heute nicht ins Programm.
Die Grandes Marée haben wir leider um ein paar Tage verpasst. Der höchste Tidenhub mit ensprechender Windstärke schafft es, die Gischt bis über die Kaimauern abzuklatschen und spritzt Schaulustige und sogar Hausmauern dahinter ab. Schade, hätte ich gerne erlebt.

Die Stadt ist wurlig und wuselig, so viele Menschen genießen das Leben, in den Gassen wird musiziert und getanzt, es wird gegessen, getrunken und gefeiert.


Wir setzen uns in eine Creperie, essen Galettes (eine Art von Crepes aus Buchweizenmehl, die auf verschiedendste Weise gefüllte werden) trinken Cidre aus der Tasse und machen uns auf den Weg zurück zu unserem CP de la Cite d’Alet
Die Frühlingsferien sind zu Ende, es wird ruhig am Platz. Das stabile Hoch beschenkt uns mit prächtigstem Wetter, also bleiben wir an der Côte d’Emerande, der Smaragdküste. Das Gezeitenkraftwerk Barrage de la Rance ist noch einen Stopp wert, es war über 40 Jahre weltweit das größte seiner Art. Viele Schautafeln geben Informationen, Schleusen erlauben den großen und kleinen Schiffen die Passage. Die Wasserstrudel sind fast beängstigend heftig und zeugen von der gewaltigen Kraft der Gezeiten.


Wir schauen eine Weile zu bis sich die Brücke hebt, dann zieht es uns ans Meer.

Noch ein Blick auf den mondänen Badeort Dinard mit den verschnörkelten Villen aus der Zeit der „Belle Epoque“.
Der angepeilte und vielgepriesene SP bei Saint-Jacut-de-la-Mer gefällt uns nicht. „Wenige Schritte zum Sandstrand“ stand geschrieben. Aber das Meer ist gefühlt kiometerweit weg, das kann auch die Flut nicht wettmachen. Ja, Papier ist geduldig und das Internet auch!
Dann nehmen wir die 25 km noch unter die Räder und hoffen, dass uns der CP Municipal du Pont de l’Etang nicht enttäuscht. Nein, ganz im Gegenteil! Er liegt fantastisch im Kiefernwald einer Dünenlandschaft vor den gewaltigen Sandstränden, mit Blick auf das Cap Frehel. Unparzellierte Plätze erlauben es, sich hinzustellen wo und wie es dir gefällt, wir sind begeistert und planen die nächsten Tage für sportlich Aktivitäten.

Salute Maria & Wolfgang & Flora
Weiterlesen Phares, Forts und Moules – Bretagne # 3

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