Der bretonische Sommer hat uns gut getan. Jetzt sollten wir schön langsam ans Weiterkommen denken, wir sind schon fast 7 Wochen unterwegs und haben erst knapp 2/3 der Bretagne gesehen. Tja, wenn man keinen Leuchtturm und keine Kirche auslassen mag 🙂 von Stränden, Klippen und Küsten-Wanderwegen ganz zu schweigen. Und der „Slow Drive“ ist sowieso Programm!
1. – 10. Juni 2026
Weiter im Süden erreichen wir den längsten Sandstrand der Bretagne, 25 km lang, nur unterbrochen durch ein paar kleine Küstendörfer, wie z. B. Plovan. Dort möchten wir gerne einen NP finden, natürlich mit Meerblick. Am endlosen Strand tummeln sich wiederum die Wassersportler, lauter wilde Hunde, für die der Spaß erst anfängt, wenn uns die Wellen zu heftig werden. Viele P sind höhenbegrenzt, der CP den wir nach der erfolglosen Sucherei ansteuern, sperrt erst am 2. Juni auf, also morgen. 3 Franzosen halten uns an, ein Ehepaar und eine Nonne haben unsere Suche schon beobachtet. Ihr Englisch ist so dürftig wie unser Französisch, schlussendlich verstehen wir was sie meinen. Wir sollen die kleine Staubstraße weiterfahren, dann kommt ein P mit einer Teppichstange, aber davor gibt es einen guten Platz für uns, ohne Verbotstafel oder so. Was für ein Glück. Die Nonne ist ganz fasziniert von unserem Auto, Toyota est très bien… sie interresiert sich für die PS und den Neigungswinkelmesser und…und… darüber staunen und schmunzeln wir und bedanken uns überschwänglich für den Tipp!

Am Plage Ru Vein ist es herrlich für uns, zum Schwimmen ist es zwar nicht so ratsam, aber der wilde Atlantik hat uns nochmals ganz in seinen Bann gezogen. Den tollen Stellplatz verlassen wir erst nach 3 Tagen, immer noch fasziniert von Wind und Wellen – und von der Sonne natürlich auch.



Die bretonischen Küsten weisen die höchste Leuchtturmdichte der Welt auf. Was ist dann wohl unser nächster Halt? Natürlich Phare d’Eckmühl!

Als wir von unserem SP zum Leuchtturm fahren beginnt es zu regnen, es nebelt sich richtig grauslich ein. Da bin ich glatt erleichtert: okeey, dann brauch ich mir die 307 Stufen nicht antun, wenn ich oben null Sicht habe und wer weiß, ob ich das überhaupt schaffe??? Doch die Wolken verziehen sich – und damit auch meine Ausrede.

Der imposante Leuchtturm ist 65m hoch, ganz aus Granit gebaut und im Inneren mit Mahagoni, Bronze, Marmor und Opalglas ausgestattet. Solchen Luxus hat nur der Phare d’Eckmühl und es gibt unterschiedliche Geschichten, wie es dazu kam.
Ich starte meinen Aufstieg in der Hoffnung zumindest die Hälfte zu schaffen um ein Foto von der berühmten „Wendeltreppen-Schnecke“ zu bekommen.

Der 100er geht locker, dann also weiter! 200 Stufen, na jetzt geb ich nicht auf. Nur der Drehwurm setzt mir zu. So schaffe es kaum mein Handy mittig für’s Foto zu platzieren. Als Beweisfoto reicht es und erst recht für die Erinnerung daran.

Direkt unter der Lampenetage steht in einem holzgetäfelten Raum die Bronze-Staue des Prinzen von Eckmühl, dann sind noch ein paar sehr enge und sehr steile Eisen-Stufen zu überwinden.

Geschafft!! Von der Aussichtsplattform hat man natürlich eine überwältigende 360° Rundumsicht über das Bigouden-Land und das Meer. Es fühlt sich richtig gut an da heroben zu stehen! Die Îles de Glénan sollte man sehen können, ich kann sie nur undeutlich erkennen und ich hoffe, dass wir von Concarneau aus mit der Fähre zu diesem sensationell schönen Insel-Archipel schippern können.
Hinunter war’s dann a bissal zach fü’s Knie, da darf es dann zur Belohnung schon ein Pastis sein und nach dem sensationell guten Essen natürlich noch einer.
Am Weg nach Quimper liegt die Ciderie Manoir du Kinkiz, eine der ältesten in der Bretagne. Hier wird nicht nur Cidre nach alter Tradition erzeugt, sondern auch Pommeau, versch. Liköre, Lambig und der köstliche Fine de Bretagne.

Neben der Verkostung der verschiedenen Cidre-Sorten dürfen wir auch den Fine de Bretagne probieren (ein lange gereifter Apfelbranntwein) sensationell!

Das Herrenhaus kann ebenso besichtigt werden, auch die großzügige Parkanlage und die Apfelplantagen sind eine Augenweide! Das Woki hat inzwischen beträchtlich an Gewicht zugelegt 🙂

Quimper liegt am Zusammenfluss von Odet und Steir, die ausnehmend hübsche Altstadt mit ihren spätmittelalterlichen Fachwerkhäusern wird von der Cathédral Saint Corentin beherrscht – und vom eisigen Nordwind, der uns in ein Lokal flüchten lässt.

Gar keine schlechte Wahl, das Dessert war jedenfalls himmlisch !



Es ist auch die Hauptstadt der Fayence, in vielen Geschäften werden Porzellan- und Steingutwaren verkauft. Gut aufgewärmt geht es weiter in den Süden.
Pont-Aven war die Heimat vieler Künstler u. a. von Paul Gaugin, heute beherbergt sie viele Kunstgalerien. Zur kurzen Mittagsrast ein guter Platz für uns – und für viele andere Touristen.



Weil wir wissen, dass in dem teilweise noch bewohnten Museumsdorf Kerascoët ein schöner NP auf uns wartet, statten wir den hübschen Steinhäusern mit den Reetdächern und den blauen Fensterläden einen Besuch ab.

Es hat sich gelohnt das Dorf ist wirklich sehr authentisch und wir haben himmlisch ruhig geschlafen auf dem kostenlosen SP gleich nebenbei. Hier gibt es explizit ein Parkverbot für PKW auf den ausgewiesenen Plätzen. Auch nicht schlecht!






Wer glaubt, wir hätten genug Leuchttürme gesehen, der irrt. Aber ich verspreche, der Phare de Trévignon ist deffinitv der letzte dieser Reise!!!

Der Atlantik ist wiedereinmal in Aufruhr und wir können uns dem Schauspiel nicht entziehen.

Concarneau ist unser vereinbarter Treffpunkt mit Sabine und Thommy. Zuvor beschließen wir kurzerhand beim Decathlon ein Zelt zu kaufen, da das Wetter einfach unberechenbar ist. Gebraucht haben wir es gottlob nicht wirklich, aber es wird uns beim Overlandertreffen auch gute Dienste erweisen. Als Sonnen- oder als Regenschutz, mal sehen.
Gemeinsam wollen wir die Geburtstage von Sabine und Wolfgang feiern und einen runden Hochzeitstag dazu. Das verlängerte WE lockt viele in die Stadt und weil die Lage vom CP Les Sables Blancs hervorragend für die Besichtigung ist, war es notwendig vorher zu buchen. Schließlich wollen wir 2 Plätze nebeneinader haben.


Concarneau – die Inselfestung! Inzwischen ist sie durch einen Damm mit dem Festland verbunden, die ville close hat zu Recht Berühmtheit erlangt. Überaus malerische Gassen, hübsche Geschäfte, nette Lokale und Restaurants von vornehm bis einfach, alles vorhanden. Wir nehmen uns Zeit und freuen uns, dass die Inselfestung derzeit noch nicht überlaufen ist.




Für alle Kommissar Dupin Fans: Das L’Amiral haben wir natürlich auch gesehen, aber nur von aussen.

Heute ist auch großer Wochenmarkt, nicht nur Eß- und Trinkbares gibt es hier…



…auch alles was man zwar nicht braucht, aber doch nett anzuschauen ist.

Am Abend gehen wir in ein gutes Lokal zum gemeinsamen Anstoßen, Abendessen und der Absacker wird im Zelt genossen. Der nächste Tag gehört nochmals Concarneau, wir gehen hinunter in die Stadt und ahnen es: die Fähren zu den Îles de Glénan sind heute eingestellt. Zu stürmisch, schade!

Dann setzen wir uns in diese nette Creperie, Thommy und ich bestellen ein lokales Bier, erst nach dem 2. Schluck lesen wir: Es hat 7.9% !! Und das um kurz vor 12h. Ein wirklich gehaltvoller Abschluss unserer Reise in die Bretagne 2026. Unsere Feunde ziehen weiter in den Süden, wir ziehen heim, denn wir möchten den Rest der Bretagne bis Saint-Nazaire nicht in den verbleibenden 2 Wochen abspulen und für Wolfgangs Knie wird’s langsam auch Zeit.
Deshalb geht’s am nächsten Tag heimwärts. NP findet man in Frankreich genügend, auch an einem idyllischen See und beim „unserem“ Winzer in Chablis stellen wir fest, dass die Weinstöcke jetzt schon ihre Trauben angesetzt haben. Bei der Hinfahrt gab’s nur die ersten zarten Blättchen.



Daheim empfängt uns Starkregen und Wind, gar nicht nett 🙁 Den Wind haben wir möglicherweise mitgebracht, aber Regen hatten wir in diesen knapp 8 Wochen kaum. Viele Sonnentage, die ohne Wind an die 30° errreichten, mit Wind oft nur 10° – 15° !
Wir waren ca. 4.600km unterwegs ohne Pannen oder sonstiger Haverien, haben uns auf diesen schönen Teil Frankreichs gut vorbereitet und dennoch ganz spontan entschieden, welchen Eindrücken wir auf der Spur bleiben oder auslassen werden. An den wirklich vielen schönen Plätzen sind wir oftmals länger geblieben als wir vorhatten. Das Wetter ist der Game-Changer in der exponierten Lage am Atlantik, darauf stellt man sich ein, da gibt es ständig neue Perspekiven, Eindrücke und Emotionen.
Die Begeisterung für die Bretagne ist sehr nachhaltig! Den restl. Teil werden wir sehr zeitnah bereisen, bevor die gespeicherten Informationen in unseren ergrauten Gehirnwindungen versickern. Die Pläne dafür beschäftigen uns auf der ganzen Rückreise.
Unser Overlandertreffen 2026 rückt näher, die Vorfreude wächst und wir hoffen auf viele Freunde, enstpannte Gespräche und interessante Begegnungen!
Infos: Bretagne #7
Bis bald
Maria & Wolfgang & Flora
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